Mittwoch, 28. Juni 2017
Thema der Woche | 23. März 2017

Protest gegen Rechts

Gladenbacher Bürgerbündnis demonstriert gegen Auftritt von Frauke Petry
Foto aus dem Jahr 2004: Rolf K. Wegst

Als 2004 Gladenbach zum Schauplatz mehrerer Demonstrationen von Rechtsextremen wurde, kam die entschlossene Reaktion von Gladenbachs Bürgern prompt: Engagierte Gladenbacher schlossen sich zu einem Bündnis zusammen, sammelten Unterschriften für den Bürgeraufruf "Gladenbach ist bunt – nicht braun" und machten Front gegen Rechts.

Der Zusammenschluss von Bürgern, Kirchen, Jusos, DGB und Kommunal­politikern stellte sich friedlich und kreativ gegen die rechtsextremen Aufzüge: Nach einer Demonstration der Rechtsextremen durch den Ort versammelten sich die Gladenbacher etwa auf dem Marktplatz mit Besen und kehrten das rechte Gedankengut sinnbildlich aus ihrer Stadt.

Der für den 31. März im Gladenbacher Haus des Gastes geplante Auftritt von AfD-Chefin Frauke Petry hat das Bürgerbündnis nach über einem Jahrzehnt reaktiviert: "Wir knüpfen an den Protest von damals an, das ist eine Ver­pflich­tung", sagt Siegfried Seyler, der ehemalige Schulleiter der Gladenbacher Europa­schule und einer der Initiatoren des Bürgerbündnises. "Als wir von dem Auftritt von Frau Petry gehört haben, war uns klar, dass wir etwas unternehmen müssen", unterstreicht Edith Müller-Zimmermann vom Gladenbacher Weltladen, die zusammen mit Seyler das Bündnis reaktiviert hat.

Das Bürgerbündnis Gladenbach ruft alle Bürger der Stadt und des Umlands zu einer Protestkundgebung am Freitag, 31. März, um 17 Uhr gegen die AfD-Veranstaltung mit Petry auf. In einem schriftliche Aufruf wendet sich das Bündnis gegen das "reaktionäre Weltbild" der rechtspopulistischen Partei.

Auszug: "Mit der propagierten nationalistischen Abschottung Deutschlands nutzt die AfD Ängste und schürt Hass auf Andere. Für das eigene Machtstreben nimmt sie dabei Leiden und Sterben von Flüchtlingen billigend in Kauf. Diese Form der politischen und moralischen Verneinung von Normen und Werten halten wir für unvereinbar mit den Grundwerten unserer Verfassung.

Wir Bürgerinnen und Bürger Gladenbachs weisen die Verächtlichmachung unserer Demokratie und die Missachtung von Grund- und Menschenrechten scharf zurück. Wir wollen schon gar keine "Re-Nazifizierung" als Alternative für Deutschland!"

Die Gladenbacher ständen für Weltoffenheit, Freiheit, Akzeptanz, Gerechtigkeit und ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, unterstreicht der Aufruf. Und das solle auch so bleiben.

Den Protest gegen den Auftritt der AfD-Spitzenpolitikerin unterstützen laut Seyler alle vier Fraktionen des Gladenbacher Stadtparlaments (SPD, Freie Wähler, CDU, Grüne), Kirchen, Vertreter von Gewerkschaften und Flüchtlings­hilfen: "Wir wünschen uns, dass die Bürger bei der Kundgebung am 31. März friedlich und bunt zeigen, wofür Gladenbach steht."

Termin
Bei der Kundgebung des Bürgerbündnisses Gladenbach am Freitag, 31. März, um 17 Uhr auf dem Gladenbacher Marktplatz werden mehrere Redner aus dem örtlichen Stadtparlament, von Kirchen und Gewerkschaft sprechen. Außerdem ist ein Rahmenprogramm mit Musik und kreativen, friedlichen Aktionen geplant.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Foto: German
Stage Service
Über Reden reden

"Sie reden von Krisen, von Umbrüchen, die Europa sprengen werden, von politisch-bürokratischen Vorgängen, so komplex dass sie sie selbst wahrscheinlich gar nicht verstehen. Über uns braut sich eine Apokalypse zusammen – und wir? Wir werden mit­ge­rissen, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht. Die einzige Sicherheit: Wir hören sie reden. Wir haben keine Ahnung, wie wir etwas stoppen oder verändern können." Über Reden reden vom german stage service ist eine Stückentwicklung mit geflüchteten und nicht geflüchteten Jugendlichen aus Marburg und beschäftigt sich mit den politischen Reden des gesamten politischen Spektrums. Premiere ist
Mi 28.6. | 20 Uhr | Marburg | Theater im G-Werk
 
Tipp der Woche

Foto: Waggon-
halle
on the road

Zwölf junge Artisten machen sich auf, ihren ganz eigenen Weg zu beschreiten. Türen zu Varietés, Theatern und Festivals öffnen sich. Wohin der Weg führt, wird die Zukunft zeigen. Eines ist jedoch sicher: die frischgebackenen Absolventen der Staatlichen Artisten­schule Berlin sind von nun an on the road in einer Spritztour de Force mit tollkühner Akrobatik, feinster Äquilibristik und abwechslungsreicher Jonglage. In vielen kuriosen Geschichten, eingebettet in poesievolle Choreographien, erzählen die Artisten von Begeg­nungen auf der Straße, aus dem Alltag und über sich selbst.
Do 6.7. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Live – Kommende Highlights

Foto: KFZ
Panteón Rococó

Mitte der 90er Jahre, als sich gegen den Neoliberalismus in Lateinamerika ein handfester Widerstand von Seiten sozialer Bewegungen formte, spielten Panteón Rococó erst auf Straßen und Plätzen, bald in Pubs und auf politischen Versammlungen. Sie wollten und wollen den Unterdrückten durch ihre Musik eine Stimme verleihen und sich mit der zapatistischen Bewegung solidarisch zeigen, die sich in Mexiko an vorderster Front für die betroffene Bevölkerung einsetzt. Trotz ihres starken Engagements verstehen sich Panteón Rococó nicht nur als eine politische Band, und ihr Erfolg in Europa gibt ihnen Recht – eine schweißtreibende Latin-Ska-Punk-Show wird garantiert.
Sa 22.7. | 20.30 Uhr | Marburg | KFZ
Freikartenverlosung: Fr 7.7. | 16 Uhr | Tel. 06421/684443
 

Foto: Waggonhalle
Ensemble Mime Minimale

Haben alte Menschen Träume? In gewohnt skurriler Weise bestreitet Frau Elfriede Peil ihren Alltag. Fester Bestandteil ist dabei ihr Plüsch-Affe, der ihre maßgeschneiderten Regeln zu spüren bekommt. Von ihm provoziert, gibt sie ihren heimlichen Traum preis. Als der Traum tatsächlich droht Realität zu werden, gerät ihre Welt aus den Fugen.
Do 20.7. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
Freikartenverlosung: Fr 14.7. | 16 Uhr | Tel. 06421/684443
 
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