Samstag, 29. April 2017
Marburg
Dinnebier folgt Weinbach
Kirsten Dinnebier soll nach dem Willen der Marburger SPD-Spitze die Nachfolgerin von Stadträtin Kerstin Weinbach werden. Dinnebier sitzt seit 2006 im Marburger Stadt­par­lament und ist seit Anfang März Vorsitzende der Marburger SPD.
Weinbach, die alleinerziehende Mutter ist, hatte die Stelle in Teilzeit ausgeübt. Eine Wahrnehmung einer solchen ver­ant­wortlichen und anspruchsvollen Stelle in Teilzeit ohne eine weitere Person, die den anderen Teil der Aufgaben übernehmen kann, hatte sie nicht als eine Dauerlösung angesehen.
SPD, CDU und "Bürger für Marburg" haben sich derweil auch auf einen Vertrag zur Zusammenarbeit geeinigt. Ein zentraler Punkt ist darin der Abbau des Haushaltsdefizits. Am 30 Juni wollen die drei zusammenarbeitenden Parteien CDU-Fraktionsvorsitzenden Wieland Störzel zum neuen Bürgermeister und Nachfolger von Franz Kahle wählen, außerdem Kirsten Dinnebier zur haupt­amtlichen Beigeordneten.
 
Marburg
Sturz ohne Fremdeinwirkung
Die Marburger Staatsanwaltschaft hat das Verfahren um den Tod der 28-jährigen Radfahrerin in der Bahnhofsstraße eingestellt. Die Studentin war im Februar dieses Jahres bei einer schweren Kollision mit einem Lkw ums Leben gekommen. Nach Auskunft von Staatsanwalt Nicolai Wolf ist dem Lkw-Fahrer jedoch kein Vorwurf zu machen: "Nach den Ermittlungen ist davon auszugehen, dass sie ohne Fremdeinwirkung gestürzt ist." Sie sei dabei zwischen die Räder des Lkw gefallen und überrollt worden. Dies ist das Ergebnis des unfall­ana­ly­tischen Gutachtens, das Luftbilder, Zeugenaussagen, Fotos, Kleidung und die beschädigten Fahrzeuge einbezog.
Völlig ungeklärt bleibt, warum die Radlerin stürzte. Ob gesundheitliche Gründe oder ein Missgeschick dafür verantwortlich sind, ist offen. Vor dem Sturz sei es jedenfalls nicht zu einer Kollision gekommen, betonte Wolf.
Die Regel ist das wohl nicht. Nach den bundesweiten Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer gehen Crashs zwischen Radlern und Auto­fahrern in mehr als 90 Prozent der Fälle auf das Konto der KFZ-Fahrer.
Nach dem Tod der 28-Jährigen hatte die Radlerszene in der Universitätsstadt geschockt reagiert. Mehrfach versammelten Bürger zum stillen Gedenken an der Unfallstelle vor der Hauptpost. Sie machten zugleich darauf aufmerksam, wie gefährlich Radfahren in Marburg ist. Über die Radwege in der Marburger Bahnhofstraße wird schon lange gestritten. Im oberen Teil gibt es im Rahmen eines Verkehrsversuchs seit Ende 2015 Radstreifen. Im unteren Teil, in dem der tödliche Unfall passierte, gibt es bislang keine Radwege.
 
Marburg
Neues Familienzentrum
Foto: Nadja
Schwarzwäller
Der Nachfrage nach Betreuungs-, Krippen- und Kinder­garten­plätzen am Richtsberg will die Stadt Marburg mit einem neuen Familienberatungszentrum inklusive Kindertagesstätte und Hort gerecht werden. Oberbürgermeister Thomas Spies und Bürgermeister Franz Kahle haben am Montag den Neubau im Karlsbader Weg eröffnet. Bis zu 90 Kinder können dort lernen, spielen und zu Mittag essen.
Für Kinder im Krippenbereich hatte es über das bestehende Angebot am Richtsberg hinaus Bedarf für eine Gruppe gegeben, für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren fehlten bisher zwei Kita-Gruppen. Der Neubau beherbergt nun eine Krippengruppe (mit zehn Kindern), zwei Kindergartengruppen (mit 40 Kindern) und zwei Hortgruppen mit Kindern ab der ersten Klasse in der Nachmittagsbetreuung (insgesamt 40 Kinder) sowie einen Multifunktionsraum und weiteren Platz für das Familien­be­ra­tungs­zentrum.
In der eingebauten Küche können jeden Tag 100 bis 110 Essen zubereitet werden. Nach dem Baubeginn 2014 wurde das gut 4 Millionen Euro teuere Gebäude mit insgesamt über 1.000 Quadratmetern Fläche in rund zwei Jahren fertiggestellt.
Marburg
Lokschuppen-Konzept
Um den denkmalgeschützten Ringlokschuppen mit einer zum kulturellen Umfeld des Waggonhallenareals passenden Nutzung zu erhalten, hatte sich das Stadtparlament im Herbst auf Magistratsvorschlag für eine Konzeptausschreibung mit Bürgerbeteiligung entschieden. Drei Konzepte gehen in die zweite Runde der Auswahl Anfang Mai: Das Konzept einer "Begegnungs­stätte für Mensch, Technik, Kultur, Geschichte, Handwerk und Bildung", ein Konzept für eine "Kultur- und Begegnungszentrum Drehscheibe-Lokschuppen" und ein Konzept "Von der Industriebrache zum kreativen Knotenpunkt".
Der seit langem ungenutzte und leerstehende Lokschuppen im Nordviertel am Ortenberg ist als Kulturdenkmal eingetragen und befindet sich in einem baulich sehr schlechten Zustand.
Welches der eingereichten Konzepte am Ende des Beteiligungsprozesses umgesetzt werden soll, entscheidet im Anschluss die Stadtverordneten­versammlung. Das Auswahlgremium gibt zuvor eine Empfehlung ab, die in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beraten wird.
 
Marburg
Moschee-Grundsteinlegung
Foto: Heiko
Krause
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Marburg baut im Gewerbe­gebiet in Cappel eine eigene Moschee. Oberbürgermeister Thomas Spies hob bei der Grundsteinlegung hervor, dass der Bau eines Gotteshauses zeige, dass die Menschen, die es errichten, dort bleiben wollen, wo sie wohnen. Es sei ein Zeichen für Marburg als Heimat.
Zur Grundsteinlegung war Hadrat Mirza Masroor Ahmad, weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, in die Universitätsstadt gekommen. Er freute sich, dass so viele Marburger zu der Zeremonie gekommen waren. "Die Teilnahme bedeutet, dass Sie ein offenes Herz haben", sagte er.
"Wir kennen Sie und die Grundsteinlegung ist ein Symbol dafür, dass Sie sich hier wohlfühlen", so Oberbürgermeister Spies in Richtung der Marburger Ahmadiyya. "Ihre Gemeinde ist schon lange Teil unserer Gesellschaft und unserer Heimat", ergänzte in die gleiche Richtung Landrätin Kirsten Fründt.
In der Universitätsstadt habe eine friedliche Auseinandersetzung mit dem Glauben eine lange Tradition, hob Marburgs Stadtoberhaupt Spies hervor. Bis heute gebe es einen guten konstruktiven Dialog in der Stadt, in der jeder nach seiner Fasson leben könne, so OB Spies. Es sei der Dialog, der ein gutes Zusammenleben möglich mache.
Als Oberhaupt seiner Gemeinde betonte Ahmad, dass die wahre Lehre des Islams Liebe, Freude und vor allem Toleranz auch anderen Religionen gegenüber beinhalte und nicht Terror, der von denjenigen ausgehe, die den Islam nicht richtig verstünden.
 
Marburg
Süß und Bitter
In welchem Land werden 100 Tafeln Schokolade pro Kopf im Jahr vertilgt und warum essen Kakaobauern und -bäuerinnen keine Schokolade? Die Ausstellung "Süß und Bitter" in die Lutherische Pfarrkirche gibt Antworten auf diese und andere Fragen, und beleuchtet dabei spannend wie kritisch die Hintergründe der viel geliebten Schokoladentafeln. Als gemeinschaftliches Projekt des Weltladens Marburgs, der Micha-Gruppe Marburg und der Steuerungsgruppe Fairer Handel der Fairtrade Stadt Marburg ist die Ausstellung im Zeitraum von 26. April bis zum 14. Mai 2017 an zwei Standorten in Marburg zu sehen: als interaktive Ausstellung in der Lutherischen Pfarrkirche und als Roll-Up-Ausstellung in der Mensa Erlenring.