Freitag, 16. November 2018
Editorial | 8. November 2018

Das Ding in Wald

Unverhoffter Gruß aus einer anderen Welt
Foto: Michael Arlt, Licht: Markus Gronostay

Seltsam ist's, im Wald zu gehen. Die Luft feucht, der federnde Boden ein Polster unter den Sohlen der Wanderer, eine Ahnung von Abgründigem. Baumriesen verdrehen den schorfigen, glatten Leib und recken Armhaftes in den Nebel. "Ist das hier'n Pilz?" Dauer und Dasein jedenfalls scheinen genauso weich geworden wie der Hallimasch.

Warum tragen die Bäume eigentlich immer noch soviel Laub? Und bei der Lichtung schwingt ganz sacht eine Kinderschaukel. Sollte man jetzt die Schuhe abstreifen und die Erde fühlen? Immer langsamer werden und warten, bis einen die Jahreszeiten überholt haben. Wurzel schlagen im modrigen Boden, aus­strömen, versporen ... Aber halt, das steht ja was geschrieben. Ein Haufen Sandstein, angemoost, eine Inschrift, eingemeißelt.

Arthur – Anikar – 1810

Oder 1870." In der Tat. "Wer war'n das?" Was hat der hier gemacht? "Wo kam der her?" Wo ging der hin? Oder: Ist der noch hier? "Na hoffentlich nicht ..." Doch wer weiß das schon, hier an diesem kuriosen Ort, über der alten Stadt und nicht fern des grauen Turmes, wo der Waldboden Steine treibt und Bäume ihre Äste vom Himmel saugen lassen.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Gardi
Hutter
Gardi Hutter

In ihrem aktuellen Programm "Gaia Gaudi" ist Clown-Komödiantin Gardi Hutter alias Hanna gleich von Anfang an tot. Das Publikum versteht das sofort, nur Hanna nicht. Von so etwas Unwichtigem lässt sie sich nicht aufhalten. Hannas Seele flattert so ungetrübt, dass der Körper sie genervt packt und hinüber bugsiert: Er hört das Rumoren der nächsten Generation. Der Tod ist, wie jeder Schlusspunkt, auch immer ein Anfang, und in diesem Sinne ein übergang: für Gläubige in eine andere Welt, für Wissenschaftler in einen anderen Zustand, und für Theaterleute in eine andere Phantasie. Es geht um Wurzeln und um Flügel. Um Beständigkeit und Erneuerung, um den großen Strom von Generationen, die das Leben immer weitergeben – und sich ab und zu auch auf die Köpfe hauen. Und da eine Clownin, eine Sängerin, eine Tänzerin und ein Perkussionist diese Geschichte erzählen, wird der Abend voller Über­raschungen sein.
Fr 16.11. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Jason
Krüger
Bukahara

Eine Band. Vier Musiker. Drei Kontinente. Stimmen und Songs, die eine geradezu magische Anziehungskraft erzeugen: Bukahara ver­einen die Freude am Mischen von Stilen mit den ins­tru­men­ta­len Fähigkeiten akademischer Musiker. So entsteht eine welt­läufige, entspannte, aber dennoch raffiniert gespielte Pop­musik, die in Deutschland selten geworden ist. Mit dem Einsatz von Geige, Kontrabass, akustischer Gitarre, unterschiedlichster Perkussion und Posaune sorgen Bukahara für eine ganz eigene Note in Folk, Weltmusik und Pop. Da erklingen zwischen Gypsy-Jazz, Balkan-Sound und Swing auch gerne mal Songs, wie sie die frühen Mumford & Sons geschrieben haben könnten. Dass Swing, Folk, Reggae und Arabic-Balkan keine Wider­sprüche sein müssen, beweisen die Multi-Instrumentalisten mit viel akustischer Gewandtheit und großer Leidenschaft. Doctor Karpula aus Bogota/Kolumbien präsentieren im Support eine kraftvolle Mischung aus Punk, Cumbia, Ska, Hip Hop und Reggae mit anspruchsvollen Texten in einer Liveshow auf höchstem Niveau.
Mi 21.11. | 20.30 Uhr | Marburg | KFZ
 
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