Freitag, 16. November 2018
Editorial | 25. Oktober 2018

Sie sind laut,

Ohne Gedöhns, ohne Worte – Foto: Pixabay

... sie stinken, und sie haben einen eher zweifelhaften Nutzen für die Mensch­heit – "Kenne ich", werden Sie spontan einwerfen, "Männer!". Nicht ganz, muss ich korrigieren, aber eines ihrer Spielzeuge. "Oh nein, ist es schon wieder soweit? Sie meinen doch nicht etwa ..." Allerdings, ganz recht, ich meine Laubbläser.

Denn, machen wir uns nichts vor, der Sommer ist vorbei, und kaum dass im stillen Reich der Bäume und Sträucher die letzten Früchtchen fallen, die ersten Blättchen sich kräuseln, werden diese besonders widerlichen Vasallen des weitverzweigten Terrornetzwerkes Lärm & Gestank aus dessen Schreckens­arsenalen ans Tageslicht gezerrt. Und in einen schändlichen Einsatz geschickt gegen Beschaulichkeit und gesunden Menschenverstand.

Gar nicht so selten bereits zu kleineren Stoßtrupps zusammengestellt, kann man sie nun also wieder bei ihrem unrühmlichen Geschäft beobachten – wie sie Kleinstlebewesen vernichten, Feinstaub und Hundedreck aufwirbeln, fleißig Stickoxide und Kohlenwasserstoffe produzieren und dabei ihre Umgebung mit jener nervtötenden Lärmglocke bedröhnen ... Mist, überflüssiger. Rechen und Besen wären's gewesen. J'accuse ...!

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Gardi
Hutter
Gardi Hutter

In ihrem aktuellen Programm "Gaia Gaudi" ist Clown-Komödiantin Gardi Hutter alias Hanna gleich von Anfang an tot. Das Publikum versteht das sofort, nur Hanna nicht. Von so etwas Unwichtigem lässt sie sich nicht aufhalten. Hannas Seele flattert so ungetrübt, dass der Körper sie genervt packt und hinüber bugsiert: Er hört das Rumoren der nächsten Generation. Der Tod ist, wie jeder Schlusspunkt, auch immer ein Anfang, und in diesem Sinne ein übergang: für Gläubige in eine andere Welt, für Wissenschaftler in einen anderen Zustand, und für Theaterleute in eine andere Phantasie. Es geht um Wurzeln und um Flügel. Um Beständigkeit und Erneuerung, um den großen Strom von Generationen, die das Leben immer weitergeben – und sich ab und zu auch auf die Köpfe hauen. Und da eine Clownin, eine Sängerin, eine Tänzerin und ein Perkussionist diese Geschichte erzählen, wird der Abend voller Über­raschungen sein.
Fr 16.11. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Jason
Krüger
Bukahara

Eine Band. Vier Musiker. Drei Kontinente. Stimmen und Songs, die eine geradezu magische Anziehungskraft erzeugen: Bukahara ver­einen die Freude am Mischen von Stilen mit den ins­tru­men­ta­len Fähigkeiten akademischer Musiker. So entsteht eine welt­läufige, entspannte, aber dennoch raffiniert gespielte Pop­musik, die in Deutschland selten geworden ist. Mit dem Einsatz von Geige, Kontrabass, akustischer Gitarre, unterschiedlichster Perkussion und Posaune sorgen Bukahara für eine ganz eigene Note in Folk, Weltmusik und Pop. Da erklingen zwischen Gypsy-Jazz, Balkan-Sound und Swing auch gerne mal Songs, wie sie die frühen Mumford & Sons geschrieben haben könnten. Dass Swing, Folk, Reggae und Arabic-Balkan keine Wider­sprüche sein müssen, beweisen die Multi-Instrumentalisten mit viel akustischer Gewandtheit und großer Leidenschaft. Doctor Karpula aus Bogota/Kolumbien präsentieren im Support eine kraftvolle Mischung aus Punk, Cumbia, Ska, Hip Hop und Reggae mit anspruchsvollen Texten in einer Liveshow auf höchstem Niveau.
Mi 21.11. | 20.30 Uhr | Marburg | KFZ
 
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