Dienstag, 19. Februar 2019
Thema der Woche | 9. August 2018

In voller Aktion

Die Seebrücke Marburg – Foto: Kronenberg

Sie haben innerhalb einer Woche zwei Demos mit 400 und 500 Teilnehmern in Marburg organisiert, Infoveranstaltungen und eine Filmvorführung im Capitol. Dabei gibt es die "Seebrücke Marburg" doch gerade mal rund vier Wochen, berichtet Anna Bubert. Sie gehört zu der Handvoll Marburger Aktivisten, die sich mit den Demos und Veranstaltungen in der Lahnstadt für die Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge im Mittelmeer und eine humane Asylpolitik einsetzen.

Warum? "Weil ich morgens noch in den Spielgel schauen können will", sagt Bubert. Alleine von Anfang Januar bis Anfang August seien 1500 Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ertrunken, zählt Bubert auf. Nichtstun ist für sie keine Option, auch wenn sie kaum glaubt, dass der bundesweite Protest des Bündnisses Seebrücke bei Politikern wie Horst Seehofer für ein Umdenken sorgt.

Es geht ihr auch um eine Änderung des politischen Klimas – und dafür sei lokaler Einsatz wichtig: "Es gibt gerade auch in Marburg so viele Menschen, die sich positiv engagieren, die sich für Menschen auf der Flucht einsetzen. Über die wird viel zu wenig berichtet. Wenn man im Internet schaut und sich die Hasskommentare auf den einschlägigen Seiten durchliest, bekommt man das Gefühl, dass es nur noch Rechte gibt. Und das ist falsch. Sie sind in der Minderheit."

"Wir sind bisher zu wenig sichtbar, das müssen wir ändern", unterstreicht Julia Flechtner von der DGB-Jugend. Tobias Haberland, der mit Anna und Julia am Samstag beim bundesweiten "Day Orange" für die Seenotrettung am Seebrücke-Infostand auf dem Marburger Marktplatz steht, sieht das genauso: "Eine rechte Minderheit bestimmt den politischen Diskurs. Wir müssen so menschenverachtenden Begriffen wie ,Asyltourismus' etwas entgegensetzen." Er geht davon aus, dass es "einen langen Atem und viele kleine Aktionen" im Kampf gegen rechtspopulistisches Gedankengut brauche. "Dass wir die festgesetzten Schiffe der privaten Rettungsorganisationen nicht freikriegen, wenn wir einmal hier auf dem Marktplatz Papierbötchen falten, ist ja klar." Deshalb hofft er, dass die Aktionen der Marburger Seebrücke auch im Wintersemester weitergehen. Die Vernetzung mit Engagierten in anderen Städten, in Gießen und Frankfurt, beginne gerade erst.

Nächste Aktionen der Seebrücke:
Am Donnerstag, 9. August, zeigt die Seebrücke Marburg im Capitol den Dokumentarfilm"Iuventa"über das gleichnamige Rettungsschiff. Nach fast zwei Jahren Einsatz und ca. 14.000 auf hoher See geretteter Menschen wurde der von der Berliner Initiative "Jugend rettet" zum Rettungsschiff umgebaute Fischkutter im August 2017 von den italienischen Behörden beschlagnahmt und in Lampedusa festgesetzt. Der Mannschaft wird die Kooperation mit Schlepperbanden vorgeworfen. Eine Anklage ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Die Dokumentation von Regisseur Michele Cinque begleitet die der jungen Protagonisten, fängt die gesamte Spanne der Mission ein. Zur anschließenden Diskussion über den Film sind Mitglieder von "Jugend rettet" anwesend.
Die Seebrücke in Gießen veranstaltet am Freitag, 10. August eine Demonstration gegen die Kriminalisierung von Seenotrettungsorgansationen, die um 16 Uhr auf dem Gießener Kirchenplatz startet.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Pericopes +1

Foto: Jeff Sales
..., 2007 von Emi Vernizzi und Alessandro Sgobbio ur­sprüng­lich als Saxophon-Klavierduo gegründet und 2014 vom ame­rikanischen Schlagzeuger Nick Wight komplettiert, be­dienen einer neuen, von der alternativen Popkultur der letzten Jahr­zehnte inspirierten musikalischen Palette: dynamische Grooves, ein klarer Fokus auf Rhythmen, Rhodes-Piano-Sounds und elektronische Effekte veredeln die kom­po­si­to­rischen Kunstgriffe der Band ohne die akustische Feinheiten zu überdecken. Musiker wie David Bowie, Prince, Chuck Berry oder Lemmy Kilmister setzten immer neue musikalische Trends, überschritten stilistische Grenzen, sprengten einengende Rahmen und prägten mit ihrem Schaffen auch die musikalischen Visionen von Emi, Alex und Nick. Im Geist dieser musikalisch offenen Sound­welten verbinden Pericopes +1 eine Vielzahl von Stimmungen, Stilen und ästhetischen Qualitäten, die dem Zuhörer Freiraum für eigene Interpretationen lassen.
Di 19.2. | 20.30 Uhr | Marburg | Cavete
 
Tipp der Woche

Studieren­den-Big­Band

Foto: Theresa
Reusch
Keinen Bock mehr auf Kälte & Co? Die Studierenden-BigBand Marburg holt ihr Publikum aus der trostlosen Jahreszeit. Statt kalten Füßen gibt es eine kochende Stim­mung, statt stän­di­gem Grau bunte Eindrücke und statt der immer gleichen Radio­musik endlich "What is Hip?" – Jazz Swing Funk". Bläser, Rhythmus und Gesang verschieben die Maßstäbe für heiße Musik noch weiter nach oben, mit Stücken wie "The Jazz Police", "Feeling Good" und "What is Hip" schwingt die Band sich unter ihrem Leiter Dirk Kunz am 20. Februar 2018 zu Höchst­leis­tungen auf und lässt mit ihrer Per­for­mance den Schnee tauen, nämlich am
Mi 20.2. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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