Dienstag, 11. Dezember 2018
Thema der Woche | 9. August 2018

In voller Aktion

Die Seebrücke Marburg – Foto: Kronenberg

Sie haben innerhalb einer Woche zwei Demos mit 400 und 500 Teilnehmern in Marburg organisiert, Infoveranstaltungen und eine Filmvorführung im Capitol. Dabei gibt es die "Seebrücke Marburg" doch gerade mal rund vier Wochen, berichtet Anna Bubert. Sie gehört zu der Handvoll Marburger Aktivisten, die sich mit den Demos und Veranstaltungen in der Lahnstadt für die Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge im Mittelmeer und eine humane Asylpolitik einsetzen.

Warum? "Weil ich morgens noch in den Spielgel schauen können will", sagt Bubert. Alleine von Anfang Januar bis Anfang August seien 1500 Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ertrunken, zählt Bubert auf. Nichtstun ist für sie keine Option, auch wenn sie kaum glaubt, dass der bundesweite Protest des Bündnisses Seebrücke bei Politikern wie Horst Seehofer für ein Umdenken sorgt.

Es geht ihr auch um eine Änderung des politischen Klimas – und dafür sei lokaler Einsatz wichtig: "Es gibt gerade auch in Marburg so viele Menschen, die sich positiv engagieren, die sich für Menschen auf der Flucht einsetzen. Über die wird viel zu wenig berichtet. Wenn man im Internet schaut und sich die Hasskommentare auf den einschlägigen Seiten durchliest, bekommt man das Gefühl, dass es nur noch Rechte gibt. Und das ist falsch. Sie sind in der Minderheit."

"Wir sind bisher zu wenig sichtbar, das müssen wir ändern", unterstreicht Julia Flechtner von der DGB-Jugend. Tobias Haberland, der mit Anna und Julia am Samstag beim bundesweiten "Day Orange" für die Seenotrettung am Seebrücke-Infostand auf dem Marburger Marktplatz steht, sieht das genauso: "Eine rechte Minderheit bestimmt den politischen Diskurs. Wir müssen so menschenverachtenden Begriffen wie ,Asyltourismus' etwas entgegensetzen." Er geht davon aus, dass es "einen langen Atem und viele kleine Aktionen" im Kampf gegen rechtspopulistisches Gedankengut brauche. "Dass wir die festgesetzten Schiffe der privaten Rettungsorganisationen nicht freikriegen, wenn wir einmal hier auf dem Marktplatz Papierbötchen falten, ist ja klar." Deshalb hofft er, dass die Aktionen der Marburger Seebrücke auch im Wintersemester weitergehen. Die Vernetzung mit Engagierten in anderen Städten, in Gießen und Frankfurt, beginne gerade erst.

Nächste Aktionen der Seebrücke:
Am Donnerstag, 9. August, zeigt die Seebrücke Marburg im Capitol den Dokumentarfilm"Iuventa"über das gleichnamige Rettungsschiff. Nach fast zwei Jahren Einsatz und ca. 14.000 auf hoher See geretteter Menschen wurde der von der Berliner Initiative "Jugend rettet" zum Rettungsschiff umgebaute Fischkutter im August 2017 von den italienischen Behörden beschlagnahmt und in Lampedusa festgesetzt. Der Mannschaft wird die Kooperation mit Schlepperbanden vorgeworfen. Eine Anklage ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Die Dokumentation von Regisseur Michele Cinque begleitet die der jungen Protagonisten, fängt die gesamte Spanne der Mission ein. Zur anschließenden Diskussion über den Film sind Mitglieder von "Jugend rettet" anwesend.
Die Seebrücke in Gießen veranstaltet am Freitag, 10. August eine Demonstration gegen die Kriminalisierung von Seenotrettungsorgansationen, die um 16 Uhr auf dem Gießener Kirchenplatz startet.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Foto: Janine
Guldener
Andreas Rebers

Onkel Andi kommt, um mit dem Publikum Weihnachten zu feiern. Und er kommt nicht allein. Und Andreas Rebers bringt viele Freunde mit: den niedersächsischen Fliesenleger, Frau Flüchtling aus Syrien, Paddy O'Shonassey aus Irland und jede Menge Clowns, die uns das Leben schwer machen wollen. Aber es sollen auch selbst geschriebene Weihnachtslieder ge­schmet­tert werden, an die Kunst der Fuge von J.S. Bach er­in­nert und gute Fragen gestellt: Warum gibt es im Christentum nur Be­sche­rung und keine Beschneidung? Stimmt es, dass Salafisten in Deutschland Weih­nachts­geld bekommen und es sogar annehmen, ohne, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen? Was wollen die Deutschen an den Feier­tagen wirklich? Weihnachten, das ist das Fest der Liebe, aber es wird eben auch zum Showdown für Junggesellen und Kleinfamilien, die sich in der Welt des Konsums nicht mehr zurechtfinden. Hier hilft oft nur ein gut gemachter Exor­zis­mus, und genau der wird an diesem Abend stattfinden. "Weihnachten mit Onkel Andi", eine kabarettistische Betrachtung des Weihnachtsfestes, wird beschert
Di 11.12. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Tim Ilskens
Jan Weiler

Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Be­geis­te­rungs­fähig­keit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie entfesselt und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Natürlich spielt im dritten Teil von Jan Weilers Pubertier-Saga "Und ewig schläft das Pubertier" die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie Haut­un­reinheiten. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt sowie über all die anderen großen und kleinen Hervorbringungen der Pubertät. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese ver­fluch­te Pubertät eigentlich aufhört ...
Mi 12.12. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
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