Dienstag, 11. Dezember 2018
Editorial | 11. Januar 2018

Rühmenswert

Kleiner Gruß aus der Kälte – Foto: Pixabay

... ist, dass manchmal richtig kleine Wunder passieren. Und zwar dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Wie eng jahreszeitlich bedingt Transzendenz und Bodenhaftung beisammen liegen können, macht ein Geschehen deutlich, das der Schreiber dieser Zeilen über den Wechsel 17/18 hin verpasste.

Sein gewohnheitsmäßiger Gang führt des Morgens auch über die Lahnbrücke am Rosenpark, und noch bis zum Ende der vergangenen Weihnacht konnte das mitunter zu einer Buckelrutschpartie erster Güte werden. Denn es verwandelten punktueller Frosthauch und fieser Flechtenglitsch das Holzlattengefüge des Überweges in eine Glättefläche, gegen deren Tücke die berüchtigten Eisfelder der Eiger-Nordwand zu Bällchenbädern schrumpfen.

Doch hat diese Schrecknis in Finsternis und Kälte nun ein Ende, weil wunder­samer­weise ziert seit Kürzestem ein griffiger Läufer zwei­mann­breit den Brü­ck­en­rücken, ein sisal­haft kratziges Geflecht, das dem majestätischen Wal­fisch zum Massage­band gereichen würde und doch nur den bescheidenen Schritt des Wanderers dort hält wo er hingehört, erdgebunden, fest & zuversichtlich: Vorwärts immer, abheben nimmer. Bedankt.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Janine
Guldener
Andreas Rebers

Onkel Andi kommt, um mit dem Publikum Weihnachten zu feiern. Und er kommt nicht allein. Und Andreas Rebers bringt viele Freunde mit: den niedersächsischen Fliesenleger, Frau Flüchtling aus Syrien, Paddy O'Shonassey aus Irland und jede Menge Clowns, die uns das Leben schwer machen wollen. Aber es sollen auch selbst geschriebene Weihnachtslieder ge­schmet­tert werden, an die Kunst der Fuge von J.S. Bach er­in­nert und gute Fragen gestellt: Warum gibt es im Christentum nur Be­sche­rung und keine Beschneidung? Stimmt es, dass Salafisten in Deutschland Weih­nachts­geld bekommen und es sogar annehmen, ohne, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen? Was wollen die Deutschen an den Feier­tagen wirklich? Weihnachten, das ist das Fest der Liebe, aber es wird eben auch zum Showdown für Junggesellen und Kleinfamilien, die sich in der Welt des Konsums nicht mehr zurechtfinden. Hier hilft oft nur ein gut gemachter Exor­zis­mus, und genau der wird an diesem Abend stattfinden. "Weihnachten mit Onkel Andi", eine kabarettistische Betrachtung des Weihnachtsfestes, wird beschert
Di 11.12. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Tim Ilskens
Jan Weiler

Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Be­geis­te­rungs­fähig­keit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie entfesselt und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Natürlich spielt im dritten Teil von Jan Weilers Pubertier-Saga "Und ewig schläft das Pubertier" die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie Haut­un­reinheiten. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt sowie über all die anderen großen und kleinen Hervorbringungen der Pubertät. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese ver­fluch­te Pubertät eigentlich aufhört ...
Mi 12.12. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
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