Freitag, 19. Oktober 2018
Thema der Woche | 2. November 2017

Eine packende Geschichte

Der Marburg-Thriller "Streiflicht" – Foto: Ingo Becker

Alles begann mit einer wahren Geschichte und eilig aufgeschriebenen Notizen auf Bierdeckeln und Servietten: Thomas Rösser saß mit seiner Frau und einem Freund in einem Marburger Restaurant. Während des Treffens hörten die Drei ein Gespräch am Nachbartisch mit – und realisierten, dass dies eine tolle Grund­idee für einen Film sei.

"Stift und ausreichend Servietten waren vorhanden, um erste Gedanken auf­schrei­ben zu können", berichtet Rösser, der von Hause aus Medien­wissen­schaft­ler ist, lange als Dozent im Bereich Film gearbeitet, Dreh­bücher ge­schrie­ben, Kurz­filme und Kinospots gedreht hat. Rösser, der schon als kleiner Junge unentwegt mit der Super-8-Kamera seines Vaters unterwegs war, ließ die Ge­schich­te nicht mehr los. Inner­halb eines Jahres entwickelt er den Plot zu dem weitestgehend in Marburg gedrehten Spielfilm "Streiflicht".

Die Handlung: Wilko Hansen, ein erfolgreicher Galerist, führt mit seiner Lebens­gefährtin Helena Walldorf ein glückliches Leben, – bis er eines Tages ein Gemälde von unschätzbarem Wert ersteht. Ab diesem Moment läuft plötzlich nichts mehr wie gewohnt. Auf einer Feier anlässlich des Gemäldekaufs wählt Helena den Freitod und Wilko wird schlagartig aus seinem bisherigen Leben gerissen.

Er versucht unter Mithilfe einer Freundin zu ergründen, weshalb sich Helena das Leben genommen hat. Bei seiner Recherche trifft er auf einen Mann, dessen Geschichte ihn an seine eigene zu erinnern scheint.

Wilko versucht ihm zu helfen und sieht dies als Chance, sich von seiner empfundenen Schuld gegenüber Helenas Tod zu befreien. Ein Fehler: Seine Besessenheit diese zweite Chance zu nutzen, lässt ihn auf eine Intrige hereinfallen. Wilko wird in eine Kriminalgeschichte verwickelt, in der es um Fremdbestimmung, Macht und Geld geht und in der nichts so ist, wie es anfangs scheint.

"Es ist ein Genremix aus Drama und Thriller", berichtet Thomas Rösser, "ohne hektische Schnitte", angelehntam Kino der 60er Jahre. Ohne Filmförderung, aber mit Kleinsponsoren und großem privaten Engagement ist "Steiflicht" seine erste Langfilm-Regiearbeit.

Über sechs Wochen wurde in der Marburger Oberstadt, in Weidenhausen, Niederwetter und im alten Europabad noch vor dessen Umbau gedreht. Nach sechswöchiger Drehzeit mit hohem Engagement der 20-köpfigen Crew und 20-Stunden-Tagen war der Film im Kasten. In Berlin wurde er geschnitten und teilnachsynchronisiert. Dem sogenannten "Grading" – dem Farbdesign des Films – und dem Sounddesign nahm sich ein Studio in Paderborn an. Die Aufnahmen der klassischen Filmmusik sind wiederum mit hohem Aufwand in Marburg entstanden: Ein vom SSO-Leiter Ulrich Manfred Metzger zusammengestelltes und geleitetes Sinfonie-Orchester mit über 60 Musikern spielte 59 Einzelstücke für den Film ein. Die Musik besitze einen großen Stellenwert für Streiflicht, sagt Regisseur Rösser: "Sie trägt zum Verständnis der inneren Welt der Protagonisten bei."

Nach langer Produktionszeit – gedreht wurde immerhin bereits 2010 – ist der 95-minütige Film im Surround-Sound und DCP-Format endlich fertig. Streiflicht lief bisher beim Indie Film Festival in der Schweiz, bei den Wolves Independent International Film Awards in Litauen sowie beim Move Me Film Festival in Belgien.

Rössers Produktion, die die für einen Spielfilm geradezu verschwindend ge­ringe Summe von 40.000 Euro gekostet hat, was nur durch den un­er­müd­lichen Einsatz und das Engagement aller Beteiligter möglich gewesen sei, hat bereits die ersten Preise eingeheimst: Streiflicht ist Preisträger der Monkey Bread Tree Film Awards und Gewinner des European Independent Film Awards.

Die Premiere am Freitag, 10. November im Marburger Capitol ist bereits so gut wie ausverkauft, was Regisseur Rösser besonders freut, der bereits die Idee für seinen nächsten Spielfilm im Kopf hat: "Der gelbe Ballon", so der Arbeitstitel, handelt von der anrührenden Liebesgeschichte einer Cellistin und eines Stotterers, der beschlossen hat, nicht mehr zu sprechen.

"Streiflicht"-Aufführungen in Marburg
Die Premiere ist am Freitag, 10. November, um 20 Uhr im Capitol. Weitere Aufführungen sind vom 11. bis 15. November jeweils um 20.15 im Capitol.

kro/pe

Tipp des Tages

Foto: Martin
Hutchinson
Martin Hutchinson

Singer/Songwriter Martin Hutchinson stammt aus einer musikalischen Familie im irischen County Kildare. Schon in jungen Jahren spielte er in der Familienband zunächst Akkordeon, dann zunehmend Gitarre. Später zog es ihn in die irische Folk- und Rockszene nach Dublin, bis er schließlich zunächst nach London aus­wan­derte. Heute lebt der Musiker in Utrecht, regelmäßig zieht es ihn aber zurück nach Irland, wo er immer wieder Inspiration für neue Songs findet. Seine Spiel auf der Stahlsaitengitarre ist geprägt durch ein klares Fingerpicking und bluesige Slides. Amerikanische Blueseinflüsse verbindet er mühelos mit irischer Folktradition. Seine warme, prägnante Stimme erlaubt Vergleiche, beispielsweise mit der Folklegende Christy Moore. Auf der Bühne gewinnt Martin Hutchinson sein Publikum schnell mit Charme und augenzwinkerndem Humor.
Fr 19.10. | 20 Uhr | Marburg | TurmCafé
 
Tipp der Woche

Foto: Nati
Seit 2010

Seit 2010 experimentiert die Schweizer Band Ghost Town mit der Transformation kommerzieller Popmusik hin zur Neu­inter­pre­tation ins Reich der freien Improvisation. Dies wird in den ersten sechs Jahren als Gitarrentrio umgesetzt und 2016 durch Joana Aderi – Gesang und experimental electronics – erweitert mit Murderballads, Seashanties, Lovesongs und Liedern aus der Zeit der großen Depression 1929. Diese und weitere Themen bilden die Basis der amerikanischen Blues- und Countrymusic der 1920er bis 1940er Jahre, und die Band zelebriert diese American Roots Music mit improvisatorischer Frische, fetten Grooves und einer ordentlichen Prise schwarzen Humors.
Di 23.10. | 20.30 Uhr | Marburg | Cavete
 
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