Donnerstag, 19. Juli 2018
Thema der Woche | 2. November 2017

Eine packende Geschichte

Der Marburg-Thriller "Streiflicht" – Foto: Ingo Becker

Alles begann mit einer wahren Geschichte und eilig aufgeschriebenen Notizen auf Bierdeckeln und Servietten: Thomas Rösser saß mit seiner Frau und einem Freund in einem Marburger Restaurant. Während des Treffens hörten die Drei ein Gespräch am Nachbartisch mit – und realisierten, dass dies eine tolle Grund­idee für einen Film sei.

"Stift und ausreichend Servietten waren vorhanden, um erste Gedanken auf­schrei­ben zu können", berichtet Rösser, der von Hause aus Medien­wissen­schaft­ler ist, lange als Dozent im Bereich Film gearbeitet, Dreh­bücher ge­schrie­ben, Kurz­filme und Kinospots gedreht hat. Rösser, der schon als kleiner Junge unentwegt mit der Super-8-Kamera seines Vaters unterwegs war, ließ die Ge­schich­te nicht mehr los. Inner­halb eines Jahres entwickelt er den Plot zu dem weitestgehend in Marburg gedrehten Spielfilm "Streiflicht".

Die Handlung: Wilko Hansen, ein erfolgreicher Galerist, führt mit seiner Lebens­gefährtin Helena Walldorf ein glückliches Leben, – bis er eines Tages ein Gemälde von unschätzbarem Wert ersteht. Ab diesem Moment läuft plötzlich nichts mehr wie gewohnt. Auf einer Feier anlässlich des Gemäldekaufs wählt Helena den Freitod und Wilko wird schlagartig aus seinem bisherigen Leben gerissen.

Er versucht unter Mithilfe einer Freundin zu ergründen, weshalb sich Helena das Leben genommen hat. Bei seiner Recherche trifft er auf einen Mann, dessen Geschichte ihn an seine eigene zu erinnern scheint.

Wilko versucht ihm zu helfen und sieht dies als Chance, sich von seiner empfundenen Schuld gegenüber Helenas Tod zu befreien. Ein Fehler: Seine Besessenheit diese zweite Chance zu nutzen, lässt ihn auf eine Intrige hereinfallen. Wilko wird in eine Kriminalgeschichte verwickelt, in der es um Fremdbestimmung, Macht und Geld geht und in der nichts so ist, wie es anfangs scheint.

"Es ist ein Genremix aus Drama und Thriller", berichtet Thomas Rösser, "ohne hektische Schnitte", angelehntam Kino der 60er Jahre. Ohne Filmförderung, aber mit Kleinsponsoren und großem privaten Engagement ist "Steiflicht" seine erste Langfilm-Regiearbeit.

Über sechs Wochen wurde in der Marburger Oberstadt, in Weidenhausen, Niederwetter und im alten Europabad noch vor dessen Umbau gedreht. Nach sechswöchiger Drehzeit mit hohem Engagement der 20-köpfigen Crew und 20-Stunden-Tagen war der Film im Kasten. In Berlin wurde er geschnitten und teilnachsynchronisiert. Dem sogenannten "Grading" – dem Farbdesign des Films – und dem Sounddesign nahm sich ein Studio in Paderborn an. Die Aufnahmen der klassischen Filmmusik sind wiederum mit hohem Aufwand in Marburg entstanden: Ein vom SSO-Leiter Ulrich Manfred Metzger zusammengestelltes und geleitetes Sinfonie-Orchester mit über 60 Musikern spielte 59 Einzelstücke für den Film ein. Die Musik besitze einen großen Stellenwert für Streiflicht, sagt Regisseur Rösser: "Sie trägt zum Verständnis der inneren Welt der Protagonisten bei."

Nach langer Produktionszeit – gedreht wurde immerhin bereits 2010 – ist der 95-minütige Film im Surround-Sound und DCP-Format endlich fertig. Streiflicht lief bisher beim Indie Film Festival in der Schweiz, bei den Wolves Independent International Film Awards in Litauen sowie beim Move Me Film Festival in Belgien.

Rössers Produktion, die die für einen Spielfilm geradezu verschwindend ge­ringe Summe von 40.000 Euro gekostet hat, was nur durch den un­er­müd­lichen Einsatz und das Engagement aller Beteiligter möglich gewesen sei, hat bereits die ersten Preise eingeheimst: Streiflicht ist Preisträger der Monkey Bread Tree Film Awards und Gewinner des European Independent Film Awards.

Die Premiere am Freitag, 10. November im Marburger Capitol ist bereits so gut wie ausverkauft, was Regisseur Rösser besonders freut, der bereits die Idee für seinen nächsten Spielfilm im Kopf hat: "Der gelbe Ballon", so der Arbeitstitel, handelt von der anrührenden Liebesgeschichte einer Cellistin und eines Stotterers, der beschlossen hat, nicht mehr zu sprechen.

"Streiflicht"-Aufführungen in Marburg
Die Premiere ist am Freitag, 10. November, um 20 Uhr im Capitol. Weitere Aufführungen sind vom 11. bis 15. November jeweils um 20.15 im Capitol.

kro/pe

Tipp des Tages

Foto: Lüder
Wohlenberg
Lüder Wohlenberg

"Wird schon wieder!" ist eine satirische Über­lebens­hilfe, 90 Minuten aktuelles Grund­lagen­kabarett in Sachen Opti­mismus. Es werden neue Ein­blicke er­öff­net und über­raschende Aus­wege aus jeder Lebens­lage gezeigt, präsen­tiert von einem ver­sierten Sur­vi­val-Experten: Lüder Wohlen­berg ist Arzt und Kaba­rettist. Er kennt das Gesundheits­system von beiden Seiten der Nadel und weiß, was die Medizin kann und wo sie besser das Skalpell in der Ver­packung stecken lässt. Zahl­reiche Gesund­heits­reformen, zwei Verkehrs­un­fälle und eine Schulter­eck­ge­lenks­spreng­ung haben ihn, den über 2 Meter großen Bühnen­hünen, nicht klein gekriegt. Er hat an ver­schie­denen Krisen­herden sein Süpp­chen gekocht und es immer selber aus­ge­löffelt. Als Fach­arzt für Radio­logie hat Wohlen­berg zudem den nötigen Durch­blick und als zer­ti­fi­zier­ter Not­arzt immer eine Spritze im An­schlag. In seinem neuen Kabarett­programm spricht der Arzt, spottet der Kaba­rettist, und selbst­ver­ständ­lich philosophiert auch wieder Profi­patient Rader­scheid. Wohlen­berg gibt wieder einmal alles. Und dann wird für einen Moment auch alles klar: Der Grund für die Rücken­schmerzen, für die un­er­bitt­liche Digital­anzeige der Waage und sogar für das Leben selbst ...
Do 19.7. | 20.30 Uhr | Wetzlar | Lottehof
 
Tipp der Woche

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Gebert
Dirk Schäfer

Bereits über ein­hun­dert­mal war Dirk Schäfers Jacques-Brel-Abend "Doch davon nicht genug" bundes­weit zu sehen. Die Presse feierte das Programm als Gesamt­kunst­werk und als kultu­relles Gross­er­eig­nis. Die Zusammen­arbeit mit seinen Musikern Karsten Schnack (Akkordeon), Wolfram Nerlich (Kontra­bass) und Ferdi­nand von See­bach (Piano) wurde oft als kon­genial beschrieben. Große Auf­merk­sam­keit erregen auch immer wieder Dirk Schäfers neue Brel-Über­setzungen. Die Hälfte der Chansons singt er an diesem Abend in Deutsch und die andere Hälfte in Original­sprache, wobei der Schau­spieler und Sänger die fran­zö­sischen Stücke szenisch mit deutschen Über­leitungen vorbereitet.
Do 26.7. | 20.30 Uhr | Wetzlar | Rosengärtchen
 
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