Donnerstag, 19. Juli 2018
Editorial | 11. Mai 2017

Was soll

Mal was Schönes – Foto: Michael Arlt

... man sagen? Wenn du, lieber Leser, liebe Leserin, dies Blatt zur Hand hast und genau jetzt der 12. Mai ist, gedenkt man heute rund um den Globus einerseits des Chronischen Erschöpfungssyndroms. Und begeht gleich­zeitig/anderer­seits, zur Feier des Geburtstages der großen Florence Nightin­gale, den International Nurse Day, den weltweiten Tag der Pflege, nebst dem dazugehörigen Personal. Bin ich nun Schelm, der sich, wenn schon nicht böses, so doch etwas gründlich schiefgelaufenes dabei denkt?

Die Kommission zur Findung und Einhaltung der sinnvollen Reihenfolge von Feier- und Gedenktagen muss wohl gehörig einen im Tee gehabt haben. So wundert es wenig, wenn tags drauf, sprich am 13. des Wonnemonats, zum Internationalen Tag des Cocktails an die Theken gerufen wird, und von Bagdad bis Buenos Aires die Zecher der Welt darin übereinkommen, wenigstens 24 Stunden lang ein einig Volk von Brüdern zu sein. Dass in der Folge Familie (15.), Kriegsdienstverweigerer (auch 15.) und Homosexuelle (17.) mit jeweils eigenem Aktionstag ins Blickfeld rücken – kaum hoch genug ist's zu preisen. Und dass man sich nicht nur im Briefmarkenparadies Aserbaidschan über den Welt­fern­meldetag (17.) freut, wie auch der Welt-Hypertonie-Tag (17.) durchaus seine Berechtigung hat – bittesehr, bittegern.

Aber der schiefe Dreiklang Suff/Pflege/Erschöpfung ist und bleibt in dieser Woche ein merkwürdiges Mysterium.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Lüder
Wohlenberg
Lüder Wohlenberg

"Wird schon wieder!" ist eine satirische Über­lebens­hilfe, 90 Minuten aktuelles Grund­lagen­kabarett in Sachen Opti­mismus. Es werden neue Ein­blicke er­öff­net und über­raschende Aus­wege aus jeder Lebens­lage gezeigt, präsen­tiert von einem ver­sierten Sur­vi­val-Experten: Lüder Wohlen­berg ist Arzt und Kaba­rettist. Er kennt das Gesundheits­system von beiden Seiten der Nadel und weiß, was die Medizin kann und wo sie besser das Skalpell in der Ver­packung stecken lässt. Zahl­reiche Gesund­heits­reformen, zwei Verkehrs­un­fälle und eine Schulter­eck­ge­lenks­spreng­ung haben ihn, den über 2 Meter großen Bühnen­hünen, nicht klein gekriegt. Er hat an ver­schie­denen Krisen­herden sein Süpp­chen gekocht und es immer selber aus­ge­löffelt. Als Fach­arzt für Radio­logie hat Wohlen­berg zudem den nötigen Durch­blick und als zer­ti­fi­zier­ter Not­arzt immer eine Spritze im An­schlag. In seinem neuen Kabarett­programm spricht der Arzt, spottet der Kaba­rettist, und selbst­ver­ständ­lich philosophiert auch wieder Profi­patient Rader­scheid. Wohlen­berg gibt wieder einmal alles. Und dann wird für einen Moment auch alles klar: Der Grund für die Rücken­schmerzen, für die un­er­bitt­liche Digital­anzeige der Waage und sogar für das Leben selbst ...
Do 19.7. | 20.30 Uhr | Wetzlar | Lottehof
 
Tipp der Woche

Foto: Sven
Gebert
Dirk Schäfer

Bereits über ein­hun­dert­mal war Dirk Schäfers Jacques-Brel-Abend "Doch davon nicht genug" bundes­weit zu sehen. Die Presse feierte das Programm als Gesamt­kunst­werk und als kultu­relles Gross­er­eig­nis. Die Zusammen­arbeit mit seinen Musikern Karsten Schnack (Akkordeon), Wolfram Nerlich (Kontra­bass) und Ferdi­nand von See­bach (Piano) wurde oft als kon­genial beschrieben. Große Auf­merk­sam­keit erregen auch immer wieder Dirk Schäfers neue Brel-Über­setzungen. Die Hälfte der Chansons singt er an diesem Abend in Deutsch und die andere Hälfte in Original­sprache, wobei der Schau­spieler und Sänger die fran­zö­sischen Stücke szenisch mit deutschen Über­leitungen vorbereitet.
Do 26.7. | 20.30 Uhr | Wetzlar | Rosengärtchen
 
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