Freitag, 19. Oktober 2018
Editorial | 4. Mai 2017

Einmischen

Wir mischen mit – Foto: Kronenberg

Beeindruckende 81,4 Prozent: So hoch war die Wahlbeteiligung bei der hessischen Kommunalwahl 1972, in einer hochpolitisierten Zeit. Danach ging's bergab. Den historischen Tiefpunkt markiert die Kommunalwahl 2006, mit nur noch 45,8 Prozent Beteiligung. Auch letztes Mal, 2016, waren es nicht viel mehr, 48 Prozent.

Was tun gegen Desinteresse, Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit?

Mehr Bürgerbeteiligung in der Kommune anzubieten, ist ein Ansatz, zum Beispiel durch Volksabstimmungen, Bürgerinitiativen oder Bürgerdialoge. Denn: "Bürger interessieren sich für Politik, wenn die Politik sich für sie interessiert", sagen die Wissenschaftler Robert Vehrkamp und Dominik Hierlemann in ihrer Studie, wer in Deutschland warum nicht mehr wählen geht.

Ihre These stützt der letzte Samstag im Erwin-Piscator-Haus. Dort hatte die Stadt zur Bürgerbeteiligungs-Auftaktveranstaltung eingeladen – und es war voll. Gut 200 Marburger waren gekommen, deutlich mehr als der sichtlich zufriedene Oberbürgermeister erwartet hatte. Engagiert diskutierten Jung und Alt über neue Beteiligungsmöglichkeiten, von der Anfragebox bis zur Handy-App.

Ein guter Anfang, um Demokratie stärker zu leben.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Foto: Martin
Hutchinson
Martin Hutchinson

Singer/Songwriter Martin Hutchinson stammt aus einer musikalischen Familie im irischen County Kildare. Schon in jungen Jahren spielte er in der Familienband zunächst Akkordeon, dann zunehmend Gitarre. Später zog es ihn in die irische Folk- und Rockszene nach Dublin, bis er schließlich zunächst nach London aus­wan­derte. Heute lebt der Musiker in Utrecht, regelmäßig zieht es ihn aber zurück nach Irland, wo er immer wieder Inspiration für neue Songs findet. Seine Spiel auf der Stahlsaitengitarre ist geprägt durch ein klares Fingerpicking und bluesige Slides. Amerikanische Blueseinflüsse verbindet er mühelos mit irischer Folktradition. Seine warme, prägnante Stimme erlaubt Vergleiche, beispielsweise mit der Folklegende Christy Moore. Auf der Bühne gewinnt Martin Hutchinson sein Publikum schnell mit Charme und augenzwinkerndem Humor.
Fr 19.10. | 20 Uhr | Marburg | TurmCafé
 
Tipp der Woche

Foto: Nati
Seit 2010

Seit 2010 experimentiert die Schweizer Band Ghost Town mit der Transformation kommerzieller Popmusik hin zur Neu­inter­pre­tation ins Reich der freien Improvisation. Dies wird in den ersten sechs Jahren als Gitarrentrio umgesetzt und 2016 durch Joana Aderi – Gesang und experimental electronics – erweitert mit Murderballads, Seashanties, Lovesongs und Liedern aus der Zeit der großen Depression 1929. Diese und weitere Themen bilden die Basis der amerikanischen Blues- und Countrymusic der 1920er bis 1940er Jahre, und die Band zelebriert diese American Roots Music mit improvisatorischer Frische, fetten Grooves und einer ordentlichen Prise schwarzen Humors.
Di 23.10. | 20.30 Uhr | Marburg | Cavete
 
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