Mittwoch, 28. Juni 2017
Editorial | 6. April 2017

Verzeihung, doch

Auch ein Frühlingsbote – Foto: Joujou / Pixelio.de

... man kann es nicht oft genug preisen: Der Frühling, die wankelmütige Schlafmütze, hat die Zeichen der Zeit erkannt und hält mit voller Wucht Einzug in Stadt, Land und Flur. Die Blüten entfalten ihre leuchtende Pracht ebenso wie die Heuschnupfennasen. Allerorten pulen sich weißliche Nacht­schatten­ge­wächse aus ihrem Klamottenpanzern, zeigen der zaghaften Sonne die nackte Bleichschulter und manchmal mehr. Wundersam in Wallung geratene Hormon­spiegel lassen stolze Cabrioten aller Altersklassen durch die Gassen dröhnen und dezibelweise Roland Kaiser oder Kirmeshipphopp absondern. Das Freiluft-Weizenbier schmeckt wieder. Der blitzeblank gescheuerte Grill wartet auf eine wurschtige Feuertaufe am Wochenende. Jaja, der Frühling mag zwar ein in die Jahre gekommener Geck sein. Aber geiler is' schon.

Nur zwei Sachen, die mich bei aller Lobhudelei nerven: Der vergleichsweise dramatische Temperaturanstieg hat nicht nur die Quecksilbersäule, sondern auch den Verkaufspreis meines Leib- und Magen-Mineralwassers um das mehr als 1,8-fache in die Höhe getrieben. Und mein alter Feind, der Spargel, schießt aus erdigen Startrampen mit dem Ziel, seine Schreckensherrschaft über die Teller der Nation zu verbreiten.

Aber ansonsten: wie gesagt.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: German
Stage Service
Über Reden reden

"Sie reden von Krisen, von Umbrüchen, die Europa sprengen werden, von politisch-bürokratischen Vorgängen, so komplex dass sie sie selbst wahrscheinlich gar nicht verstehen. Über uns braut sich eine Apokalypse zusammen – und wir? Wir werden mit­ge­rissen, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht. Die einzige Sicherheit: Wir hören sie reden. Wir haben keine Ahnung, wie wir etwas stoppen oder verändern können." Über Reden reden vom german stage service ist eine Stückentwicklung mit geflüchteten und nicht geflüchteten Jugendlichen aus Marburg und beschäftigt sich mit den politischen Reden des gesamten politischen Spektrums. Premiere ist
Mi 28.6. | 20 Uhr | Marburg | Theater im G-Werk
 
Tipp der Woche

Foto: Waggon-
halle
on the road

Zwölf junge Artisten machen sich auf, ihren ganz eigenen Weg zu beschreiten. Türen zu Varietés, Theatern und Festivals öffnen sich. Wohin der Weg führt, wird die Zukunft zeigen. Eines ist jedoch sicher: die frischgebackenen Absolventen der Staatlichen Artisten­schule Berlin sind von nun an on the road in einer Spritztour de Force mit tollkühner Akrobatik, feinster Äquilibristik und abwechslungsreicher Jonglage. In vielen kuriosen Geschichten, eingebettet in poesievolle Choreographien, erzählen die Artisten von Begeg­nungen auf der Straße, aus dem Alltag und über sich selbst.
Do 6.7. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
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