Wer einen neuen Namen annehme, habe dafür gute Gründe und bringe damit gewichtige Veränderungen zum Ausdruck, sagte Günther Grabatin am Montag in seiner letzten Rede als Präsident der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Mit der Umbenennung wolle die Hochschule dokumentieren, "dass wir uns als Technologiemotor der Region begreifen". Der neue Name macht zudem deutlich, dass längst nicht mehr nur in Gießen und Friedberg Studiengänge angeboten werden, sondern auch in Wetzlar. Ist die Goethestadt doch bereits seit Herbst 2001 Standort des dualen Studiengangs "Studium Plus".
Als einzige technisch ausgerichtete akademische Ausbildungsstätte zwischen Kassel und Frankfurt sieht Grabatin seine Hochschule in einer besonderen Verantwortung für die Region Mittelhessen: "Wir wollen mit Spitzenleistungen in Forschung, Entwicklung und Transfer die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Wirtschaft nachhaltig stärken und mit einem Qualifikationsangebot bis hin zur Promotion hochqualifizierte Fachkräfte an die Region binden und auch nach Mittelhessen locken." Die beiden mittelhessischen Universitäten in Gießen und Marburg sieht er dabei als Partner. Erst vor wenigen Wochen haben die Justus-Liebig-Universität, die Philipps-Universität und Grabatins Hochschule ihren 2005 geschlossenen Kooperationsvertrag erneuert.
Neben der praxisnahen akademischen Lehre sind für Grabatin die anwendungsorientierte Forschung & Entwicklung sowie die Weiterbildung die zentralen Arbeitsfelder der Hochschule. In Bachelor- und Masterstudiengängen biete die TH heute die gleichen akademischen Abschlüsse wie die Universitäten. In der Forschung, so der TH-Präsident, habe man im vergangenen Jahr mit sechs Millionen Euro dreimal so viele Drittmittel eingenommen wie noch im Jahr 2005. Und mit der Gründung des Hochschulzentrums für Weiterbildung habe die TH ein Feld besetzt, das hohe Wachstumsraten verspreche.
Grabatin sieht die TH Mittelhessen auf dem Weg zu einer Hochschule neuen Typs, wie sie der Wissenschaftsrat jenseits der bestehenden Einteilung in Universitäten und Fachhochschulen prognostiziert. "Für unseren Weg zu einer solchen Hochschule steht der Name Technische Hochschule Mittelhessen. Aber wir sind ganz am Anfang dieses Weges. Denn was uns noch weithin fehlt, ist eine Forschungsinfrastruktur, die es uns erlaubt, dauerhaft erfolgreich um große anwendungsorientierte Forschungsprojekte zu konkurrieren." Die TH habe sich deshalb das mittelfristige Ziel gesetzt, ihren Etat auf annähernd 100 Millionen Euro zu verdoppeln und den wissenschaftlichen Mittelbau um 200 Mitarbeiter aufzustocken.
Dass die Hochschule das "personelle Potential" besitze, erstklassige Forschung zu betreiben, habe sie freilich mehrfach bewiesen, unterstreicht Grabatin: "Im nationalen Vergleich der Fachhochschulen haben wir in den vergangenen Jahren immer einen vorderen Platz eingenommen. In Hessen waren wir die erste Fachhochschule, der es gelungen ist, ein Projekt im Rahmen der Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz zu akquirieren."