Dienstag, 11. Dezember 2018
Editorial | 1. Februar 2018

Heute früh

Boot am See – Foto: Pixabay

... einen halbwachen Blick auf das halbdunkle Geschehen in unserer Straße geworfen. Nicht der gewohnte Müllwagen dieselte orange blinkend neben dem Bürgersteig vor sich hin, dessen verlängerter Rücken von emsigen Händen geschickt mit grauen, grünen oder blauen Plastiktonnen beschickt wird. Nein, ein weißes, winkliges Gefährt zitterte da auf seinen drei Achsen, ein eigen­tümliches Geknurschpel lag in der Luft. Und drei ernste Männer in leuchtender Kleidung führten allerhand ungefüge Brocken heran. Matratzen waren es, Regale, ein Deckenfluter und was noch mehr Sperriges schon lange seinen einstmaligen Daseinszweck erfüllt hatte und nun an der Hauswand lehnte, die Nacht verharrend, im Morgengrauen den letzten Gang anzutreten.

Denn von sicherem Griff gepackt, landeten die stummen Delinquenten im Schwung vor dem mechanischen Maul der Maschine, die da weiß winkelig zitterte. Und halb zog es sie, halb sanken sie hinein, hinter eiserne Kiefer und malmende Rollen, reißende Zähne und rüttelnde Zacken des gleichgültigen Gleichmachers, des erzenen Totalisators, des Großen Baal, der da so unver­sehens erschienen war, als just der seit viel zu langem schon vergraute Himmel von der Morgensonne geritzt wurde, mit roten und mit gelben Streifen.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Janine
Guldener
Andreas Rebers

Onkel Andi kommt, um mit dem Publikum Weihnachten zu feiern. Und er kommt nicht allein. Und Andreas Rebers bringt viele Freunde mit: den niedersächsischen Fliesenleger, Frau Flüchtling aus Syrien, Paddy O'Shonassey aus Irland und jede Menge Clowns, die uns das Leben schwer machen wollen. Aber es sollen auch selbst geschriebene Weihnachtslieder ge­schmet­tert werden, an die Kunst der Fuge von J.S. Bach er­in­nert und gute Fragen gestellt: Warum gibt es im Christentum nur Be­sche­rung und keine Beschneidung? Stimmt es, dass Salafisten in Deutschland Weih­nachts­geld bekommen und es sogar annehmen, ohne, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen? Was wollen die Deutschen an den Feier­tagen wirklich? Weihnachten, das ist das Fest der Liebe, aber es wird eben auch zum Showdown für Junggesellen und Kleinfamilien, die sich in der Welt des Konsums nicht mehr zurechtfinden. Hier hilft oft nur ein gut gemachter Exor­zis­mus, und genau der wird an diesem Abend stattfinden. "Weihnachten mit Onkel Andi", eine kabarettistische Betrachtung des Weihnachtsfestes, wird beschert
Di 11.12. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Tim Ilskens
Jan Weiler

Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Be­geis­te­rungs­fähig­keit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie entfesselt und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Natürlich spielt im dritten Teil von Jan Weilers Pubertier-Saga "Und ewig schläft das Pubertier" die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie Haut­un­reinheiten. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt sowie über all die anderen großen und kleinen Hervorbringungen der Pubertät. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese ver­fluch­te Pubertät eigentlich aufhört ...
Mi 12.12. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Aktuelles Heft
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.
 
Kulturtipps 2018
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.
 
Ausgehen & Einkaufen
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.