Freitag, 19. Oktober 2018
Editorial | 11. Oktober 2018

Ist denn schon

Warte, warte noch ein Weilchen ... – Foto: Michael Arlt

... wieder Dezember, könnte man fragen angesichts des verdammt leckeren Stollengebäcks, das für eine vermutlich nur sehr kurze irdische Verweildauer von fürsorglichen Kollegen der Allgemeinheit bereitgestellt wurde.

Eigentlich nicht, eingedenk kurzer Pantalonen, leichter Turnschuhe und in Erwartung sonniger spätsommerlicher Temperaturen ab der Mittagszeit. Aber tauchten da nicht letztens schon wundersam Berge von weihnachtlichem Nasch­werk am Horizont über den vertrauten Einkaufsgängen auf? Lenkten nicht sanfte Lebkuchenhügel den Schritt des zögerlichen Konsumenten? Lockten nicht Kaskaden von Marzipankartoffeln den sorglosen Wanderer - auf der Suche nach was Leichtem fürs Abendessen, wahrscheinlich Salat - vom Weg ab? Lag nicht der süße Duft von Spekulatius und Vanillekipferl in der Luft? Taten sich sich nicht Schründe und Schluchten auf, gepflastert mit Dominosteinen, die schroffen Hänge voll Aachener Printen und allerley Pfefferkuchen, türmend in einem Dresdner-Stollen-Massiv von sagenhaften Format, über dessen puder­zucker­verhangenem Gipfel in einer strahlenden Gloriole der Nikolaus und das Christkind, und alle Glocken ...

Neinneinnein, geh nicht in das Licht, pack deinen Geldbeutel fester und lauf schnell zur Frischetheke! Solange es halt noch geht.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Martin
Hutchinson
Martin Hutchinson

Singer/Songwriter Martin Hutchinson stammt aus einer musikalischen Familie im irischen County Kildare. Schon in jungen Jahren spielte er in der Familienband zunächst Akkordeon, dann zunehmend Gitarre. Später zog es ihn in die irische Folk- und Rockszene nach Dublin, bis er schließlich zunächst nach London aus­wan­derte. Heute lebt der Musiker in Utrecht, regelmäßig zieht es ihn aber zurück nach Irland, wo er immer wieder Inspiration für neue Songs findet. Seine Spiel auf der Stahlsaitengitarre ist geprägt durch ein klares Fingerpicking und bluesige Slides. Amerikanische Blueseinflüsse verbindet er mühelos mit irischer Folktradition. Seine warme, prägnante Stimme erlaubt Vergleiche, beispielsweise mit der Folklegende Christy Moore. Auf der Bühne gewinnt Martin Hutchinson sein Publikum schnell mit Charme und augenzwinkerndem Humor.
Fr 19.10. | 20 Uhr | Marburg | TurmCafé
 
Tipp der Woche

Foto: Nati
Seit 2010

Seit 2010 experimentiert die Schweizer Band Ghost Town mit der Transformation kommerzieller Popmusik hin zur Neu­inter­pre­tation ins Reich der freien Improvisation. Dies wird in den ersten sechs Jahren als Gitarrentrio umgesetzt und 2016 durch Joana Aderi – Gesang und experimental electronics – erweitert mit Murderballads, Seashanties, Lovesongs und Liedern aus der Zeit der großen Depression 1929. Diese und weitere Themen bilden die Basis der amerikanischen Blues- und Countrymusic der 1920er bis 1940er Jahre, und die Band zelebriert diese American Roots Music mit improvisatorischer Frische, fetten Grooves und einer ordentlichen Prise schwarzen Humors.
Di 23.10. | 20.30 Uhr | Marburg | Cavete
 
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