Dienstag, 11. Dezember 2018
Thema der Woche | 11. Oktober 2018

Eindrucksvoll präsentiert

Neueröffnung des Kunstmuseums – Foto: Kronenberg

Christoph Otterbeck führt durch großzügige, lichtdurchflutete Räume, in denen Kunstwerke von Kandinsky, Klee, Spitzweg oder auch Yves Klein ein­drucks­voll präsentiert werden. "Jetzt gibt es endlich wieder einen Rundgang im Museum und keine abgeschnittenen Wege mehr", freut sich Museumsleiter Otterbeck beim Gang durch das Kunstmuseum in der Biegenstraße, während in dem ein oder anderen Raum Handwerker noch die letzten Arbeiten verrichten.

Sieben Jahre war das Museum geschlossen. Nach der aufwändigen Außen- und Innensanierung wird das Gebäude in der Biegenstraße am 16. Oktober mit einem universitären Festakt wiedereröffnet. Am 21. Oktober sind die Marburger dann zum großen Eröffnungsfest eingeladen, bei dem das denkmalgerecht sanierte Gebäude, das jetzt dank eines Aufzugs und weiterer Umbauten auch barrierefrei ist, nach Herzenslust erkundet werden kann.

Verändert hat sich viel: Die niedrigen, abgehängten Decken sind etwa ver­schwun­den, ebenso die alten, klobigen Heizkörper und die undurchsichtigen Fensterscheiben. Erstmalig ist der Blick auf den eindrucksvollen Art-Déco-Brunnen im Innenhof frei. Während in den Ausstellungsräumen möglichst nichts vom Blick auf die Kunstwerke ablenkt. "Das Farbkonzept ist ganz bewußt sehr zurückhaltend, damit die Kunstwerke zur Geltung kommen", berichtet Archi­tektin Ute Kohlhauer, die die universitäre Projektleitung inne hat.

So präsentiert das Kunstmuseum Marburg jetzt in einem zeitgemäßen Aus­stel­lungs­haus die eigenen Bestände mit Schwerpunkten bei der Kunst des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts. Bereichert wird das Museum dabei durch die hochkarätige Sammlung Hilde Eitel mit avantgardistischer Kunst aus der Zeit nach 1945, die erstmals vollständig in dem Museum ausgestellt wird. "Das neue Museumskonzept betont die Modernität der Sammlungen, die wesentlich be­rei­chert wurde durch die Sammlung Hilde Eitel", berichtet Museumsleiter Otter­beck. "Und wir zeigen jetzt als einen Schwerpunkt den Raum 'Panorama der 20er Jahre' als eine Art Startpunkt einer Entwicklung, die das Breite Spektrum der Avantgarde nach 1945 möglich gemacht hat."

Ein eigens ausgestatteter Raum für museumspädagogische Aktivitäten und ein Projektbereich sollen das Haus zudem für neue Zielgruppen öffnen. In einem Atelier sollen mit Unterstützung der Marburger Kunstwerkstatt Mal- oder Zeichen­kurse angeboten werden. Die Stadt will zudem den Besuch von Schul­klassen im Museum unterstützen. So soll ein Stelle für einen Museums­pä­da­gogen geschaffen werden.

Georg Kronenberg

Sammlung Hilde Eitel

Die 2010 gestorbene Marburger Unternehmerin Hilde Eitel hat ihre Kunst­sammlung dem Marburger Universitätsbund mit der Auflage vermacht, dass diese nach ihrem Tod im Museum für Kunst und Kulturgeschichte ausgestellt werden soll.

Eitel hatte in den 1930er Jahren in München Textil- und Tapetenentwurf stu­diert und war anschließend in das elterliche Unternehmen eingestiegen, – die Marburger Tapetenfabrik.

In den 1950er-Jahren hatte sie begonnen, Kunst der Nachkriegsjahre zu sammeln. Um 1990 entschloss sich Eitel, nach Gesprächen mit dem Kunst­historiker und Sammler Ludwig Rinn, ihren Werke zu ordnen und sie durch gezielte Ankäufe zu einer Sammlung auszubauen, die die europäische Kunst mit dem Schwerpunkt "abstrakte Malerei nach 1945" präsentiert.

Ihre Sammlung umfasst Gemälde, Papierarbeiten und Skulpturen sowie Plas­ti­ken, etwa von Josef Albers, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Yves Klein, Piero Man­zoni und der deutschen Zero-Gruppe, von Giorgio Morandi, Ernst Wilhelm Nay und Wols. Die Werke in ihrer Sammlung spannen einen Bogen vom abstrakten Expressionismus und Informel zur monochromen Malerei und Zero-Kunst.

Das Kunstgebäude in der Biegenstraße

Zum 400. Geburtstag der Philipps-Universität war das Kunstmuseum 1927 nach rund zweijähriger Bauzeit als multifunktionaler "Jubiläumsbau" eröffnet worden. Die markante Fassade vereint Elemente des Neoklassizismus und des Art Déco. 1950 wurde das Museum im Gedenken an den ehemaligen Uni­ver­si­täts­kurator Ernst von Hülsen in "Ernst-von-Hülsen-Haus" umbenannt. Wegen der NS-Vergangenheit des Namensgebers änderte die Philipps-Universität 2016 den Namen in "Kunstgebäude".

Bereits Ende 2011 war das dringend sanierungsbedürftige Gebäude ge­schlos­sen worden: Von 2012 bis 2014 wurde die Außenfassade des Kunstmuseums mit Landesmitteln saniert. Anschließend stand die jetzt abgeschlossene Innen­sanierung an, die rund 3,9 Millionen Euro gekostet hat und von der Philipps-Universität getragen wird. Ein großer Teil davon, 1,28 Millionen Euro, wurde durch die Spendenkampagne "Kunst braucht Raum" gesammelt.

Kampagne "Kunst braucht Raum"

Einen entscheidenden Anteil, dass das Kunstmuseum der Philipps-Universität in neuem Glanz erstrahlt, hat die Spendensammlung der Uni "Kunst braucht Raum". Insgesamt 1.283.500 Euro sind im Zuge der Kampagne von Bürgern, Vereinen und Firmen für die Innensanierung des Museums in der Biegenstraße gespendet worden. Laut Philipps-Universität ist dies die größte Spendensumme, die in der jüngeren Uni-Geschichte gesammelt wurde. Im Rahmen der Kam­pag­ne wurden Patenschaften für 25 Räume des Museums vergeben. Gespendet wurden dafür Beträge zwischen 12.000 und 150.000 Euro. Nicht nur Einzel­per­sonen haben Raum­paten­schaften übernommen, sondern unter anderem auch der Rotary-Club Marburg und der Verein "Freunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte". Mitarbeiter und Alumni der Philipps-Universität, Ärzte des Uniklinikums und Marburger Rechtsanwälte übernahmengemeinsam Paten­schaften.

Alle Spender, die bei der Online-Fotoaktion "Faceroom" mitgemacht haben, finden ihr Bild in einem temporären Kunst-Raum im Museum wieder. Drei Kün­st­lerinnen haben mit den Fotos der Spender eine Installation geschaffen, die bis Ende Februar 2019 im Museum zu sehen ist.

Die Spendenkampagne folgt übrigens einem historischen Vorbild: Das Mu­se­ums­gebäude war 1927 zur 400-Jahrfeier der Philipps- Universität ebenfalls mit Hilfe von Spendenmitteln erbaut worden.

Eröffnungsfeier am 21 Oktober

Die Wiedereröffnung des Museums wird am 21. Oktober mit vielen Aktionen gefeiert. Von 11 bis 18 Uhr können alle Besucher das denkmalgerecht sanierte Haus aus dem Jahr 1927 neu entdecken. Ein Höhepunkt an diesem Tag ist die erstmalige vollständige Präsentation aller Gemälde, Skulpturen und Graphiken aus der Sammlung Hilde Eitel. Die wegweisenden Exponate der internationalen Avantgarde nach 1945 ergänzen nun das facettenreiche Panorama des 19. und 20. Jahrhunderts im Museum. Um 12 Uhr und 15.30 Uhr werden Führungen durch die Ausstellung angeboten.

Im Musikprogramm spielen das Duo Kevinsky und die Band Liquid Move. Kinder und Erwachsene können im Projektbereich des Museums malen, zeichnen und drucken und als "Museumsdetektive" Kunstwerke aufspüren.

kro/pe

Tipp des Tages

Foto: Janine
Guldener
Andreas Rebers

Onkel Andi kommt, um mit dem Publikum Weihnachten zu feiern. Und er kommt nicht allein. Und Andreas Rebers bringt viele Freunde mit: den niedersächsischen Fliesenleger, Frau Flüchtling aus Syrien, Paddy O'Shonassey aus Irland und jede Menge Clowns, die uns das Leben schwer machen wollen. Aber es sollen auch selbst geschriebene Weihnachtslieder ge­schmet­tert werden, an die Kunst der Fuge von J.S. Bach er­in­nert und gute Fragen gestellt: Warum gibt es im Christentum nur Be­sche­rung und keine Beschneidung? Stimmt es, dass Salafisten in Deutschland Weih­nachts­geld bekommen und es sogar annehmen, ohne, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen? Was wollen die Deutschen an den Feier­tagen wirklich? Weihnachten, das ist das Fest der Liebe, aber es wird eben auch zum Showdown für Junggesellen und Kleinfamilien, die sich in der Welt des Konsums nicht mehr zurechtfinden. Hier hilft oft nur ein gut gemachter Exor­zis­mus, und genau der wird an diesem Abend stattfinden. "Weihnachten mit Onkel Andi", eine kabarettistische Betrachtung des Weihnachtsfestes, wird beschert
Di 11.12. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Tim Ilskens
Jan Weiler

Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Be­geis­te­rungs­fähig­keit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie entfesselt und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Natürlich spielt im dritten Teil von Jan Weilers Pubertier-Saga "Und ewig schläft das Pubertier" die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie Haut­un­reinheiten. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt sowie über all die anderen großen und kleinen Hervorbringungen der Pubertät. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese ver­fluch­te Pubertät eigentlich aufhört ...
Mi 12.12. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
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