Dienstag, 11. Dezember 2018
Editorial | 27. September 2018

Wenn der Wecker

Auch schön ... – Foto: Pixabay

... maunzt und der schwarze Faden noch nicht vom weißen zu unterscheiden ist. Wenn man schon mal einen dünnen Pulli in der Hand wiegt, dann aber doch lieber zum T-Shirt greift. Wenn der Wechsel vom kurzen zum langen Beinkleid mit leichter Selbstverständlichkeit vonstatten geht. Wenn die Teeschale beim prüfenden Schritt auf den Balkon dampft wie der Weiher in einem Basho-Gedicht.

Wenn der Weg dann trocken und sauber ist, die Räder mehr gleiten als rollen und der Freilauf schnurrt im Dunst, der die Auen hüllt. Wenn oben das Schloss in einem Wattebausch steckt, den irgendein eitler, aber schlampiger Nachtriese schnell hat fallen lassen, und hier unten jeder vorbeirauschende Busch und jeder Strauch – bittesehr – nochmal kurz einen auf geheimnisvoll macht.

Wenn ein fahler Ball überm zackigen Saum der Wipfel am Ortenberg hängt und steigt und steigt. Wenn dann der Vorhang reißt und alles licht und blau und gelb und grün. Wenn man kurz mal rufen möchte: Kinder, was für ein herrlicher Herbstmorgen!

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Janine
Guldener
Andreas Rebers

Onkel Andi kommt, um mit dem Publikum Weihnachten zu feiern. Und er kommt nicht allein. Und Andreas Rebers bringt viele Freunde mit: den niedersächsischen Fliesenleger, Frau Flüchtling aus Syrien, Paddy O'Shonassey aus Irland und jede Menge Clowns, die uns das Leben schwer machen wollen. Aber es sollen auch selbst geschriebene Weihnachtslieder ge­schmet­tert werden, an die Kunst der Fuge von J.S. Bach er­in­nert und gute Fragen gestellt: Warum gibt es im Christentum nur Be­sche­rung und keine Beschneidung? Stimmt es, dass Salafisten in Deutschland Weih­nachts­geld bekommen und es sogar annehmen, ohne, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen? Was wollen die Deutschen an den Feier­tagen wirklich? Weihnachten, das ist das Fest der Liebe, aber es wird eben auch zum Showdown für Junggesellen und Kleinfamilien, die sich in der Welt des Konsums nicht mehr zurechtfinden. Hier hilft oft nur ein gut gemachter Exor­zis­mus, und genau der wird an diesem Abend stattfinden. "Weihnachten mit Onkel Andi", eine kabarettistische Betrachtung des Weihnachtsfestes, wird beschert
Di 11.12. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Tim Ilskens
Jan Weiler

Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Be­geis­te­rungs­fähig­keit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie entfesselt und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Natürlich spielt im dritten Teil von Jan Weilers Pubertier-Saga "Und ewig schläft das Pubertier" die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie Haut­un­reinheiten. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt sowie über all die anderen großen und kleinen Hervorbringungen der Pubertät. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese ver­fluch­te Pubertät eigentlich aufhört ...
Mi 12.12. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
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