Freitag, 19. Oktober 2018
Editorial | 27. September 2018

Wenn der Wecker

Auch schön ... – Foto: Pixabay

... maunzt und der schwarze Faden noch nicht vom weißen zu unterscheiden ist. Wenn man schon mal einen dünnen Pulli in der Hand wiegt, dann aber doch lieber zum T-Shirt greift. Wenn der Wechsel vom kurzen zum langen Beinkleid mit leichter Selbstverständlichkeit vonstatten geht. Wenn die Teeschale beim prüfenden Schritt auf den Balkon dampft wie der Weiher in einem Basho-Gedicht.

Wenn der Weg dann trocken und sauber ist, die Räder mehr gleiten als rollen und der Freilauf schnurrt im Dunst, der die Auen hüllt. Wenn oben das Schloss in einem Wattebausch steckt, den irgendein eitler, aber schlampiger Nachtriese schnell hat fallen lassen, und hier unten jeder vorbeirauschende Busch und jeder Strauch – bittesehr – nochmal kurz einen auf geheimnisvoll macht.

Wenn ein fahler Ball überm zackigen Saum der Wipfel am Ortenberg hängt und steigt und steigt. Wenn dann der Vorhang reißt und alles licht und blau und gelb und grün. Wenn man kurz mal rufen möchte: Kinder, was für ein herrlicher Herbstmorgen!

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Martin
Hutchinson
Martin Hutchinson

Singer/Songwriter Martin Hutchinson stammt aus einer musikalischen Familie im irischen County Kildare. Schon in jungen Jahren spielte er in der Familienband zunächst Akkordeon, dann zunehmend Gitarre. Später zog es ihn in die irische Folk- und Rockszene nach Dublin, bis er schließlich zunächst nach London aus­wan­derte. Heute lebt der Musiker in Utrecht, regelmäßig zieht es ihn aber zurück nach Irland, wo er immer wieder Inspiration für neue Songs findet. Seine Spiel auf der Stahlsaitengitarre ist geprägt durch ein klares Fingerpicking und bluesige Slides. Amerikanische Blueseinflüsse verbindet er mühelos mit irischer Folktradition. Seine warme, prägnante Stimme erlaubt Vergleiche, beispielsweise mit der Folklegende Christy Moore. Auf der Bühne gewinnt Martin Hutchinson sein Publikum schnell mit Charme und augenzwinkerndem Humor.
Fr 19.10. | 20 Uhr | Marburg | TurmCafé
 
Tipp der Woche

Foto: Nati
Seit 2010

Seit 2010 experimentiert die Schweizer Band Ghost Town mit der Transformation kommerzieller Popmusik hin zur Neu­inter­pre­tation ins Reich der freien Improvisation. Dies wird in den ersten sechs Jahren als Gitarrentrio umgesetzt und 2016 durch Joana Aderi – Gesang und experimental electronics – erweitert mit Murderballads, Seashanties, Lovesongs und Liedern aus der Zeit der großen Depression 1929. Diese und weitere Themen bilden die Basis der amerikanischen Blues- und Countrymusic der 1920er bis 1940er Jahre, und die Band zelebriert diese American Roots Music mit improvisatorischer Frische, fetten Grooves und einer ordentlichen Prise schwarzen Humors.
Di 23.10. | 20.30 Uhr | Marburg | Cavete
 
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