Freitag, 19. Oktober 2018
Editorial | 20. September 2018

Pleite mit Strahlkraft

Insolventes Ionenstrahl-Therapiezentrum: Leuchtturmprojekt der Privatisierung – Foto: Kronenberg

Als Leuchtturmprojekt, das weit über Marburg hinaus strahlen soll, war das Ionenstrahl-Therapiezentrum auf den Lahnbergen von Hessens Ex-Minister­präsidenten Roland Koch & Co. einst gepriesen worden. Als ein Beleg, dass die von seiner Regierung durchgeführte und harsch kritisierte Privatisierung des Uni-Klinikums Gießen-Marburg ein Erfolgsmodell mit Vorbildfunktion ist.

Jetzt ist das Tumor-Therapiezentrum pleite – nach einer wechsel­vollen Ge­schich­te, bei der immer wieder das Land mit Nachdruck eingreifen musste. Stand das Zentrum doch schon vor Jahren vor dem Aus – mangels Wirt­schaft­lich­keit der lebens­rettenden innovativen Strahlentherapie.

Erst nach langem Gezerre mit dem privatisierten Uni-Klinikum war schließlich eine Lösung durch die Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) gefunden worden. Doch auch für die Heidelberger geht die Rechnung nicht auf: Vier Millionen Euro fehlen im Jahr wegen der geringen Auslastung in Marburg für einen kostendeckenden Betrieb.

Und die Landesregierung muss sich – wiedermal – um die Altlasten der CDU-Privatisierungspolitik unter Koch kümmern. Dass eine Rettung des Zentrums nicht billig werden wird, ist abzusehen. Und wer letztlich finanziell dafür ein­springen wird, sollte sie gelingen, auch.

Mit einem hatte Roland Koch immerhin Recht: Das Ionenstrahl-Therapie­zentrum ist ein Leucht­turm­projekt der Privatisierung.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Foto: Martin
Hutchinson
Martin Hutchinson

Singer/Songwriter Martin Hutchinson stammt aus einer musikalischen Familie im irischen County Kildare. Schon in jungen Jahren spielte er in der Familienband zunächst Akkordeon, dann zunehmend Gitarre. Später zog es ihn in die irische Folk- und Rockszene nach Dublin, bis er schließlich zunächst nach London aus­wan­derte. Heute lebt der Musiker in Utrecht, regelmäßig zieht es ihn aber zurück nach Irland, wo er immer wieder Inspiration für neue Songs findet. Seine Spiel auf der Stahlsaitengitarre ist geprägt durch ein klares Fingerpicking und bluesige Slides. Amerikanische Blueseinflüsse verbindet er mühelos mit irischer Folktradition. Seine warme, prägnante Stimme erlaubt Vergleiche, beispielsweise mit der Folklegende Christy Moore. Auf der Bühne gewinnt Martin Hutchinson sein Publikum schnell mit Charme und augenzwinkerndem Humor.
Fr 19.10. | 20 Uhr | Marburg | TurmCafé
 
Tipp der Woche

Foto: Nati
Seit 2010

Seit 2010 experimentiert die Schweizer Band Ghost Town mit der Transformation kommerzieller Popmusik hin zur Neu­inter­pre­tation ins Reich der freien Improvisation. Dies wird in den ersten sechs Jahren als Gitarrentrio umgesetzt und 2016 durch Joana Aderi – Gesang und experimental electronics – erweitert mit Murderballads, Seashanties, Lovesongs und Liedern aus der Zeit der großen Depression 1929. Diese und weitere Themen bilden die Basis der amerikanischen Blues- und Countrymusic der 1920er bis 1940er Jahre, und die Band zelebriert diese American Roots Music mit improvisatorischer Frische, fetten Grooves und einer ordentlichen Prise schwarzen Humors.
Di 23.10. | 20.30 Uhr | Marburg | Cavete
 
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