Dienstag, 11. Dezember 2018
Editorial | 20. September 2018

Pleite mit Strahlkraft

Insolventes Ionenstrahl-Therapiezentrum: Leuchtturmprojekt der Privatisierung – Foto: Kronenberg

Als Leuchtturmprojekt, das weit über Marburg hinaus strahlen soll, war das Ionenstrahl-Therapiezentrum auf den Lahnbergen von Hessens Ex-Minister­präsidenten Roland Koch & Co. einst gepriesen worden. Als ein Beleg, dass die von seiner Regierung durchgeführte und harsch kritisierte Privatisierung des Uni-Klinikums Gießen-Marburg ein Erfolgsmodell mit Vorbildfunktion ist.

Jetzt ist das Tumor-Therapiezentrum pleite – nach einer wechsel­vollen Ge­schich­te, bei der immer wieder das Land mit Nachdruck eingreifen musste. Stand das Zentrum doch schon vor Jahren vor dem Aus – mangels Wirt­schaft­lich­keit der lebens­rettenden innovativen Strahlentherapie.

Erst nach langem Gezerre mit dem privatisierten Uni-Klinikum war schließlich eine Lösung durch die Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) gefunden worden. Doch auch für die Heidelberger geht die Rechnung nicht auf: Vier Millionen Euro fehlen im Jahr wegen der geringen Auslastung in Marburg für einen kostendeckenden Betrieb.

Und die Landesregierung muss sich – wiedermal – um die Altlasten der CDU-Privatisierungspolitik unter Koch kümmern. Dass eine Rettung des Zentrums nicht billig werden wird, ist abzusehen. Und wer letztlich finanziell dafür ein­springen wird, sollte sie gelingen, auch.

Mit einem hatte Roland Koch immerhin Recht: Das Ionenstrahl-Therapie­zentrum ist ein Leucht­turm­projekt der Privatisierung.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Foto: Janine
Guldener
Andreas Rebers

Onkel Andi kommt, um mit dem Publikum Weihnachten zu feiern. Und er kommt nicht allein. Und Andreas Rebers bringt viele Freunde mit: den niedersächsischen Fliesenleger, Frau Flüchtling aus Syrien, Paddy O'Shonassey aus Irland und jede Menge Clowns, die uns das Leben schwer machen wollen. Aber es sollen auch selbst geschriebene Weihnachtslieder ge­schmet­tert werden, an die Kunst der Fuge von J.S. Bach er­in­nert und gute Fragen gestellt: Warum gibt es im Christentum nur Be­sche­rung und keine Beschneidung? Stimmt es, dass Salafisten in Deutschland Weih­nachts­geld bekommen und es sogar annehmen, ohne, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen? Was wollen die Deutschen an den Feier­tagen wirklich? Weihnachten, das ist das Fest der Liebe, aber es wird eben auch zum Showdown für Junggesellen und Kleinfamilien, die sich in der Welt des Konsums nicht mehr zurechtfinden. Hier hilft oft nur ein gut gemachter Exor­zis­mus, und genau der wird an diesem Abend stattfinden. "Weihnachten mit Onkel Andi", eine kabarettistische Betrachtung des Weihnachtsfestes, wird beschert
Di 11.12. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Tim Ilskens
Jan Weiler

Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Be­geis­te­rungs­fähig­keit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie entfesselt und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Natürlich spielt im dritten Teil von Jan Weilers Pubertier-Saga "Und ewig schläft das Pubertier" die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie Haut­un­reinheiten. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt sowie über all die anderen großen und kleinen Hervorbringungen der Pubertät. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese ver­fluch­te Pubertät eigentlich aufhört ...
Mi 12.12. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
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