Dienstag, 11. Dezember 2018
Editorial | 9. August 2018

Die Wege des Seltsamen

Dieser junge Mann hat sich vorbildlich auf den Genuss von Bienenstich präpariert, einem weiteren Spätsommerklassiker – Foto: Michael Arlt

... ins gewöhnliche Leben verlaufen mitunter wunderlich, wie uns folgende Geschichte erzählt, die an einem stürmischen Novemberabend im geselligen Beisammensein um einen Kessel dampfenden Punsches die Runde machte, und die wir Dir, geneigter Leser, nicht vorenthalten wollen ... – Im späten Sommer des Jahres 20.. begaben sich die Freunde Lothar und Cyprian nach einem wilden Gewitter an das Gestade der Ostsee nahe der alten Handelsstadt D., auf der Suche nach Bernstein und Treibholz, um ihre ins Groteske zielende Phantasie zu befeuern.

Doch was sie auf dem Sande fanden, vom Tang umschlungen und wellenumspült, war stattdessen eine dickwandige Flasche von alterthümlicher Form, darinnen gerollt ein Manuskript steckte mit den höchstmerkwürdigen Zeilen ---- Ameisen­kuchen. So wird's gemacht: 400 g Mehl mit 2 TL Backpulver und einer Prise Salz mischen, 130 g Zucker, ein Päckchen Vanillezucker, 2 Eier, 3 EL Milch und 200 g Butter unterkneten. Diesen Mürbeteig auf ein gefettetes Blech ausrollen und dicht mit 750 g Ameisen belegen. Bei 220 Grad ca. 40 Min. backen. Noch heiß dick mit Zucker und Zimt bestreuen. ---- ... Wie der Zufall stets neu in träumerischer Weise dem Ahnungsvollen Platz bahnt war lange noch Gespräch der Gesellschaft an jenem stürmischen Novemberabend.

Wir hingegen empfehlen uns leise und wünschen schlichtweg Guten Appetit.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Foto: Janine
Guldener
Andreas Rebers

Onkel Andi kommt, um mit dem Publikum Weihnachten zu feiern. Und er kommt nicht allein. Und Andreas Rebers bringt viele Freunde mit: den niedersächsischen Fliesenleger, Frau Flüchtling aus Syrien, Paddy O'Shonassey aus Irland und jede Menge Clowns, die uns das Leben schwer machen wollen. Aber es sollen auch selbst geschriebene Weihnachtslieder ge­schmet­tert werden, an die Kunst der Fuge von J.S. Bach er­in­nert und gute Fragen gestellt: Warum gibt es im Christentum nur Be­sche­rung und keine Beschneidung? Stimmt es, dass Salafisten in Deutschland Weih­nachts­geld bekommen und es sogar annehmen, ohne, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen? Was wollen die Deutschen an den Feier­tagen wirklich? Weihnachten, das ist das Fest der Liebe, aber es wird eben auch zum Showdown für Junggesellen und Kleinfamilien, die sich in der Welt des Konsums nicht mehr zurechtfinden. Hier hilft oft nur ein gut gemachter Exor­zis­mus, und genau der wird an diesem Abend stattfinden. "Weihnachten mit Onkel Andi", eine kabarettistische Betrachtung des Weihnachtsfestes, wird beschert
Di 11.12. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Tipp der Woche

Foto: Tim Ilskens
Jan Weiler

Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Be­geis­te­rungs­fähig­keit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie entfesselt und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Natürlich spielt im dritten Teil von Jan Weilers Pubertier-Saga "Und ewig schläft das Pubertier" die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie Haut­un­reinheiten. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt sowie über all die anderen großen und kleinen Hervorbringungen der Pubertät. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese ver­fluch­te Pubertät eigentlich aufhört ...
Mi 12.12. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
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