Donnerstag, 19. Juli 2018
Thema der Woche | 22. Juni 2017

Rad-Klima wird besser

Marburg jetzt im Mittelfeld – Foto: Coordes

Dass Marburg im neuen Klimatest des Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC so deutlich besser abgeschnitten hat als in der Vergangenheit, überrascht selbst die Verwaltung: Jahrelang stand die Universitätsstadt auf einem der letzten Plätze unter den Städten ihrer Größenordnung. Seit der letzten Befragung in 2014 hat sie sich nun so weit ins Mittelfeld vorgearbeitet, dass sie sogar einen ersten Platz für "Aufholer" kassierte. "Wir freuen uns sehr über das gute Ergebnis", sagt Marburgs Radverkehrsbeauftragte Katharina Grieb: "Auch wenn es nur viele kleine Maßnahmen waren, hat sich doch etwas verändert", sagt die Expertin, die sich seit 2014 mit einer Drittel-Stelle um den Radverkehr kümmert.

"Man merkt, dass die Stadt langsam umdenkt", räumt auch Wolfgang Schuch vom Marburger ADFC ein. So sei der neue Linksabbieger vom Rudolphsplatz zum Pilgrimstein eine "vernünftige Lösung". Es gebe die ersten Fahrradampeln am Wilhelmsplatz, die Teststrecke am Erlengraben sowie rot markierte Fahrradstreifen, die den Radlern mehr Sicherheit geben: "Das fällt natürlich auf." Allerdings fürchtet Schuch angesichts des Sparhaushalts eine "Rolle rückwärts". Der Etat für den Radverkehr sei massiv zusammengestrichen worden. Dabei müsse man gerade dann in den Radverkehr investieren, wenn man kein Geld habe: Die Investitionen seien viel niedriger als bei Autos und verursachten kaum Folgekosten.

Als Ansporn für Stadt will auch Asta-Verkehrsreferent Cornelius Hansen das Ergebnis verstanden wissen: "Die Steigerung war mehr als überfällig", sagt er. Allerdings machen ihm die neuen politischen Konstellationen Sorge. So seien die neuen Radstreifen im Nordviertel ein erster guter Ansatz. Die Fortsetzung in der Bahnhofstraße und in der Elisabethstraße fehle jedoch. "Unsäglich" findet Hansen, dass der viel befahrene Radweg an der Lahn wegen fehlender Beleuchtung in den Abendstunden kaum benutzbar sei. Überfällig sei zudem ein sinnvoller Radweg auf die Lahnberge. Auch Sigrun Bennemann von der Bürgerinitiative Verkehrswende kritisiert den fehlenden Schutz für Radler auf dem Weg auf die Lahnberge und in der Elisabethstraße. Zudem endeten viele Radfahrspuren im Nichts, moniert die BI-Sprecherin. Es gebe zwar einen sehr guten Radverkehrsplan. Der müsse aber umgesetzt werden, sagt Bennemann, die das Ergebnis des Klimatests für nicht gerechtfertigt hält.

Unter den knapp 100 Städten ihrer Größenordnung kletterte Marburg von Platz 87 auf Platz 39. In Schulnoten ausgedrückt, verbesserte sich die Stadt von 4,2 auf 3,7, also von vier minus auf vier plus. Damit liegt Marburg allerdings leicht über dem Durchschnitt von 3,8. An der Befragung beteiligten sich 143 Radler.

Betrachtet man die Auswertung genau, hat sich die Stadt in vielen Aspekten ganz leicht verbessert. Weit über dem Durchschnitt steht sie jedoch bei den öffentlichen Leihfahrrädern und bei der Fahrradmitnahme in Bussen. Das vom Asta der Uni eingeführte und von der Stadt unterstützte "Call a Bike" erhielt eine herausragende 2,2 (der Durchschnitt liegt bei 4,4). Bundesweit wurde nur Norderstedt in Schleswig-Holstein noch besser beurteilt. Ab Oktober wechselt der Asta zwar den Anbieter – von der Bahn AG zu Nextbike -, damit soll das System aber sogar günstiger werden. Studierende zahlen dann nur noch 1,50 Euro pro Semester, aber auch für Nicht-Studierende sind die Leihräder attraktiv.

Auch die Fahrradmitnahme in den Bussen wurde zumindest deutlich besser als im Bundesdurchschnitt beurteilt (3,6 gegenüber 4,2). Dahinter verbirgt sich vor allem der 2015 gestartete "Radzfatz-Bus". Damit karren städtische Busse Fahrräder im Anhänger von der City auf die Lahnberge. Das System gibt es bundesweit vornehmlich für Touristen – etwa auf Rügen, am Chiemsee, in der sächsischen Schweiz, im Altmühltal oder in der Rhön. In Marburg richtet sich das Angebot vor allem an radelnde Studierende und Berufstätige, denen der Bus den Weg auf die Lahnberge erleichtern soll. RadzFatz wird allerdings nicht so gut genutzt, wie es sich die Stadtwerke wünschen würden, berichtet Birgit Stey, Geschäftsführerin der Stadtwerke-Tochter Marburg Consult. Immerhin steigen die Fahrgastzahlen seit einer Veränderung der Linienführung langsam – bis zu 30 Fahrräder werden zurzeit jeden Tag mitgenommen. Der Fahrradbus fährt im Sommerhalbjahr jeden Vormittag von 7.24 Uhr bis 11.24 im Stundentakt vom Erlenring über den Wilhelmsplatz und die Frankfurter Straße auf die Lahnberge.

Relativ gute Werte erreichte Marburg auch beim Winterdienst auf Radwegen, beim Zustand der Wege, der Fahrradförderung in jüngster Zeit sowie bei den in Gegenrichtung geöffneten Einbahnstraßen. Dagegen werden Falschparker auf Radwegen offenbar nur selten kontrolliert. Auch die Führung an Baustellen scheint schlecht zu sein. Nach wie vor ist das Radfahren in Marburg auch relativ stressig. Besonders auffällig dabei sind Konflikte mit Autofahrern. Zudem fühlen sich die Radler im Stadtverkehr immer noch sehr gefährdet.

Weitere Informationen: www.fahrradklima-test.de

Gesa Coordes

Tipp des Tages

Foto: Lüder
Wohlenberg
Lüder Wohlenberg

"Wird schon wieder!" ist eine satirische Über­lebens­hilfe, 90 Minuten aktuelles Grund­lagen­kabarett in Sachen Opti­mismus. Es werden neue Ein­blicke er­öff­net und über­raschende Aus­wege aus jeder Lebens­lage gezeigt, präsen­tiert von einem ver­sierten Sur­vi­val-Experten: Lüder Wohlen­berg ist Arzt und Kaba­rettist. Er kennt das Gesundheits­system von beiden Seiten der Nadel und weiß, was die Medizin kann und wo sie besser das Skalpell in der Ver­packung stecken lässt. Zahl­reiche Gesund­heits­reformen, zwei Verkehrs­un­fälle und eine Schulter­eck­ge­lenks­spreng­ung haben ihn, den über 2 Meter großen Bühnen­hünen, nicht klein gekriegt. Er hat an ver­schie­denen Krisen­herden sein Süpp­chen gekocht und es immer selber aus­ge­löffelt. Als Fach­arzt für Radio­logie hat Wohlen­berg zudem den nötigen Durch­blick und als zer­ti­fi­zier­ter Not­arzt immer eine Spritze im An­schlag. In seinem neuen Kabarett­programm spricht der Arzt, spottet der Kaba­rettist, und selbst­ver­ständ­lich philosophiert auch wieder Profi­patient Rader­scheid. Wohlen­berg gibt wieder einmal alles. Und dann wird für einen Moment auch alles klar: Der Grund für die Rücken­schmerzen, für die un­er­bitt­liche Digital­anzeige der Waage und sogar für das Leben selbst ...
Do 19.7. | 20.30 Uhr | Wetzlar | Lottehof
 
Tipp der Woche

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Gebert
Dirk Schäfer

Bereits über ein­hun­dert­mal war Dirk Schäfers Jacques-Brel-Abend "Doch davon nicht genug" bundes­weit zu sehen. Die Presse feierte das Programm als Gesamt­kunst­werk und als kultu­relles Gross­er­eig­nis. Die Zusammen­arbeit mit seinen Musikern Karsten Schnack (Akkordeon), Wolfram Nerlich (Kontra­bass) und Ferdi­nand von See­bach (Piano) wurde oft als kon­genial beschrieben. Große Auf­merk­sam­keit erregen auch immer wieder Dirk Schäfers neue Brel-Über­setzungen. Die Hälfte der Chansons singt er an diesem Abend in Deutsch und die andere Hälfte in Original­sprache, wobei der Schau­spieler und Sänger die fran­zö­sischen Stücke szenisch mit deutschen Über­leitungen vorbereitet.
Do 26.7. | 20.30 Uhr | Wetzlar | Rosengärtchen
 
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