Montag, 20. November 2017
Thema der Woche | 11. Mai 2017

Bei Anruf Herz

Das Lichtkunstwerk hat Geburtstag – Foto: Georg Kronenberg

Seit zehn Jahren leuchtet ein riesiges Herz mit einer Efeuranke über Marburg. Sieben Meter groß und 1,4 Tonnen schwer ist das Lichtkunstwerk namens "Siebensiebenzwölfnullsieben", das an den Geburtstag der Heiligen Elisabeth am 7.7.1207 erinnert. Bis heute strahlt es vom Spiegelslustturm herunter für Verliebte, Hundertjährige und andere Liebhaber. Kulturamtsleiter Richard Laufner, der die Idee entwickelte: "Ich bin begeistert, dass es eines der Marburger Wahrzeichen geworden ist."

Dabei sollte das zentrale Symbol für das Elisabethjahr 2007 eigentlich nur ein Jahr lang leuchten. Umstritten war es auch. Ursprünglich sollte es nämlich vom Giebel des gegenüber liegenden Wilhelmsbaus am Marburger Land­grafen­schloss herabblinken. Doch das Präsidium der Philipps-Universität, der das Schloss gehört, lehnte das Herz wegen der "Konnotation von Kitsch und Bordell" ab. Die Hochschulleitung fühlte sich zu sehr an das Rotlichtmilieu erinnert. Daraufhin installierte die Stadt das Kunstwerk am Spiegelslustturm auf den Marburger Lahnbergen, wo es auf 400 Metern sogar noch höher hängt.

Schließlich entstammt das zinnoberrote Herz als Symbol der Nächstenliebe ebenso wie die Efeuranke als Zeichen ewigen Lebens den schmiedeeisernen Ornamenten des Portals der Elisabeth­kirche. Die Marburger Künstlerin Helmi Ohlhagen übersetzte das spätgotische Motiv in ein modernes Medium. Das Rot – die wichtigste liturgische Farbe – ist der scharlachroten Tür der Elisabeth­kirche entlehnt. Die Erläuterung überzeugte auch eher skeptische Vertreter der Kirche. Und nach dem Elisabethjahr setzten sich unter der Parole "Das Herz muss bleiben" mehr als 1000 Marburger dafür ein, dass die Lichtinstallation nicht verschrottet wird. Inzwischen ziert das Kunstwerk viele Stadtprospekte. Sogar die Marburg-Schokolade eines örtlichen Konditors arbeitet mit dem Motiv.

Das Elisabethherz hat eine Eigenheit: Man muss anrufen, um das Herz zum Leuchten zu bringen. Von der Dämmerung bis zum Morgengrauen können Verliebte und andere Menschen das Kunstwerk mit der Festnetznummer 06421-590469 eine Minute strahlen zu lassen. Wer eine Flatrate hat, kann dies sogar umsonst nutzen. Besonders beliebt soll es bei Jugendlichen sein.

Dazu gibt es ein besonderes Geschenk für sehr alte Menschen und sehr lang Verheiratete. Wer mindestens hundert Jahre alt ist oder seine eiserne Hochzeit feiert, für den leuchtet das Herz am Geburtstag eine ganze Nacht. Passend zur demografischen Entwicklung passiert dies inzwischen immer häufiger. Strahlte die Installation 2008 noch 18mal, sind es heute schon rund 50mal pro Jahr. Für 77,12 Euro wird das Kunstwerk auch auf Anfrage eine Nacht lang angeschaltet. Besonders oft ist dies bei Hochzeiten und Heiratsanträgen der Fall.

Die Installation soll nun so lange wie möglich bleiben. Stabil scheint sie zu sein. Als Orkan Kyrill über die Lahnberge fegte und den Wald derart verwüstete, dass selbst das Uni-Klinikum von der Außenwelt abgeschnitten wurde, blieb das Herz ungerührt. Gelegentlich – das muss man einräumen – leidet es jedoch unter Herzrhythmusstörungen. Dann lässt es sich nicht einschalten.

Gesa Coordes

Tipp des Tages

Foto: Sarah Shatz
The Big Sick

Kumail stammt aus einer Familie von pakistanischen Immigranten und schlägt sich mehr schlecht als recht als Comedian in Chicago durch. Seiner sehr konservativen und traditionsbewussten Familie ist Kumails Lebensstil schon seit längerem ein Dorn im Auge. Film von Michael Showalter.
Mo 20.11. | 20.30 Uhr | Marburg | Capitol-Center
 
Tipp der Woche

Foto: Christoph
Rehage
Christoph Rehages

Christoph Rehages Youtube-Video "The Longest Way" ist ein Hit – mehr als 10 Millionen Menschen haben es bisher gesehen. In seiner packenden Live-Reportage dokumentiert der Globetrotter seine einzigartige Reise: 4.646 Kilometer zu Fuß durch China. Zu seinem 26. Geburtstag macht sich Christoph Rehage selbst das schönste Geschenk: Von Peking aus bricht er auf zu einer Wanderung, die bis ins heimatliche Bad Nenndorf in Nord­deutsch­land führen soll. Sein Weg ist gesäumt von Wunder­werken wie der Großen Mauer und der Terrakotta-Armee. Aber es sind die kleinen Wunder, die seine Reise un­ver­gess­lich machen: die Hilfs­bereit­schaft der chinesischen Dorfbevölkerung, die Begegnungen mit Mönchen und Wahrsagern, Beamten und Prostituierten, die Freundschaft zu Lehrer Xie und seine Gefühle für die Sichuanesin Juli, die ihn – so die schwebende Ver­ab­redung – bei seiner Ankunft in Deutsch­land erwarten wird ... Passend zum Vortrags­thema bietet das Ver­an­stalter­team von Planet­view chinesische Drinks an.
Do 23.11. | 19.30 Uhr | Marburg | KFZ
 
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